Das mithilfe von KI generierte Bild zeigt, wie der Nervenkitzel aussehen kann Foto: bungee.de

BREMERHAVEN il ∙ Je höher, desto besser: Wer hat nicht als Kind davon geträumt, einmal bis in den Himmel zu schaukeln? Diesem Wunsch kann man künftig ein Stück näherkommen – und zwar in Bremerhaven. Denn dort startet Anfang Juli ein neues Erlebnisangebot für Adrenalinfans. Mit einer speziellen Schaukel-Konstruktion, die den Namen „High Swing Bremerhaven“ trägt, können Mutige ohne Höhenangst in rund 86 Metern Höhe über dem Weserdeich durch die Luft schwingen und den Ausblick über die Stadt genießen. Bei guter Sicht könnte sogar die Skyline von Wilhelmshaven erkennbar sein. Nach Angaben des Betreibers ist es die höchste Schaukel Norddeutschlands.

Möglich macht den Nervenkitzel eine besondere Anlage auf der Aussichts-Plattform des 2008 gebauten Atlantic Hotel Sail City, ein Hochhaus in Form eines Segels mit 23 Etagen. Betrieben wird das neue touristische Angebot in Bremerhaven von der Vertical Sports Events GmbH, die sich auf Extrem­erlebnisse spezialisiert hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind durch professionelle Gurte fest gesichert, so dass das Schaukeln bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen möglich sein soll, so Andreas Höfer, Geschäftsführer von Vertical Sports Events. Das Erlebnis dauere etwa fünf Minuten. Wer den Nervenkitzel erleben will, muss allerdings bereit sein, knapp 30 Euro pro Person zu zahlen. Günstiger wird es für die Begleiterinnen und Begleiter: Sie können für sechs Euro auf die Plattform gehen und Fotos machen.

Nachdem es ursprünglich schon zu Ostern losgehen sollte, startet das Soft-Opening nun am 27. Juni. Tickets sind in dieser Phase nur vor Ort verfügbar, wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte. Der offizielle Start ist schließlich am 2. Juli, Tickets können schon gebucht werden. Rund 10.000 Besucherinnen und Besucher werden jährlich erwartet. „Ein bekanntes, sehr beliebtes Modul – eine Schaukel – an einen Platz zu stellen, der besonders und anders ist, das ist für viele Leute einfach ein tolles Erlebnis“, sagt Andreas Höfer über die Idee der High Swing.

Die XXL-Schaukel in Bremerhaven ist der zweite Standort für den Erlebnis-Anbieter. In Berlin erfreut sich das Konzept bereits großer Beliebtheit, dort schaukeln jährlich nach Betreiberangaben rund 30.000 Menschen über dem Alexanderplatz. Als der Anbieter im vorigen Jahr über ein digitales Landkartensystem gezielt nach neuen Standorten suchte, wurde er schließlich am Bremerhavener Atlantic Hotel Sail City-Hochhaus fündig, das inklusive Spitze 147 Meter misst. „Die Plattform ist perfekt für die Schaukel“, sagt Andreas Höfer. „Hier treffen maritimes Flair und spektakuläre Architektur aufeinander – das passt zu unserer Philosophie, Adrenalin-Erlebnisse mitten in die Stadt zu bringen.“

Während der ITB-Messe 2025 nahm das Unternehmen erstmals Kontakt zum Bremerhavener Hotel auf, das die Terrasse auf dem Dach des Hochhauses betreibt. „Wir waren sofort begeistert von der Idee, wolkenlos über die Seestadt zu schaukeln“, sagt Regionalverkaufsdirektor Dennis Micknaß. Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte testete das Schaukel- Erlebnis später auf der Messe mithilfe einer VR-Brille. Die Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen als Eigentümerin der Plattform zeigte sich offen für die Idee.

„Alle Beteiligten, von der Gebäudebesitzerin bis zum Atlantic Hotel Sail City selbst, hatten Lust auf das Projekt“, sagt Geschäftsführer Andreas Höfer. Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür gewesen, das Projekt umzusetzen. Die Lage und die bestehende Infrastruktur mit der Plattform sieht er als weiteren Vorteil: „Eine öffentlich zugängliche Terrasse, die bereits Traffic gewohnt ist, ist ideal. Und der Ausblick ist genial.“

Für Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH, ist das neue Schaukel-Erlebnis ein weiterer touristischer Höhepunkt für die Seestadt, das auch eine neue Zielgruppe ansprechen kann. Er erhofft sich dadurch einen Zuwachs der Tages- und Übernachtungsgäste: „Die ‚High Swing‘ Bremerhaven ist ein echter Gewinn für die touristische Reichweite und das Image der Stadt als attraktives Ausflugs- und Reiseziel.“ Das innovative Konzept sorge schon jetzt für bundesweite Aufmerksamkeit. „Ein tolles Thema für die Stadt, das überregionale Wahrnehmbarkeit erzeugt und einzigartig in Norddeutschland ist“, so Gerber.

Der Aufwand für die Installierung der Anlage sei relativ gering, berichtet Andreas Höfer. Die meiste Arbeit habe im Vorfeld stattgefunden, angefangen bei der Betriebsbeschreibung über die tatsächliche Planung bis hin zur statischen Berechnung. Der Aufbau selbst dauere nur wenige Tage. Dazu gehören das Errichten des Tragwerks und der Sicherheitsebene, die Befestigung der Schaukeln sowie das Testen des Systems. Einer der ersten Nutzer wird Michael Gerber sein. Für ihn steht fest, dass er die XXL-Schaukel testen möchte.

Die Schaukel ist im Juli donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, später nur freitags bis sonntags. Buchungen sind vorab online über bungee.de oder vor Ort an der Plattform möglich.

Insa Lohmann