Ameel freut sich über die neuen Angebote im Jugendzentrum, wie etwa die Möglichkeit zum Billardspiel Fotos: tw

OTTERNDORF tw ∙
„Wir haben die ganze Zeit darauf gewartet, dass das Jugendzentrum wieder eröffnet wird“, sagt Ameel. Er sei schon immer gerne hierhergekommen, aber die neuen Räume begeis­tern ihn. Rund drei Monate lang hatte der offene Jugendtreff ein Ausweichquartier in einem ehemaligen Friseursalon bezogen, standen doch dringende Sanierungsmaßnahmen im Gebäude in der Marktstraße 26 an.

Am Freitag letzter Woche fand jetzt die ersehnte Neueröffnung statt. Und die Mädchen und Jungen nutzten gleich die Möglichkeit, die neuen Räume zu erkunden. Evan, Damian und Jan wussten ebenfalls schon in der Vergangenheit das Angebot des Jugendzentrums zu schätzen, „aber es war doch schon alt und heruntergekommen“. Und das neue Ambiente und Angebot, etwa mit Play-Station und Billard, begeistert sie. „Das ist toll“, sagt Evan, vor allem das man hier auch Sachen ausprobieren kann, die sich viele nicht leisten könnten.

„Die jungen Menschen sollen im Mittelpunkt stehen“, betonte denn auch Kai Uhlhorn, stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Cuxhaven – Träger des Jugendzentrums (JUZ), bei der offiziellen Eröffnung. Er freute sich über das gelungene Gesamtkonzept, bei dem auch darauf geachtet wurde, was die jungen Menschen wollen – eine Voraussetzung für die Jugendarbeit. „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen einen Ort für sich haben.“ Einen Ort, der auf sie zugeschnitten ist, und an dem sie unter sich sein können.

Die Geschichte des ersten offenen Jugendtreffs in Otterndorf begann 1975 in der Marktstraße 21. Bürgermeister Claus Johannßen kann sich noch gut an seine eigene Zeit in der „altersübergreifende Lebensabschnittsgesellschaft“ erinnern. Ein eigenverwaltetes Jugendzentrum, das später in eine ehemalige Werkstatt in der Stader Straße umzog, bevor es sein jetziges Domizil in der Marktstraße 26 bezog.

Der Weg dahin zog sich jedoch, habe es doch viel Überzeugungsarbeit gebraucht, deutlich zu machen, wie wichtig eine offene Jugendarbeit ist, so Johannßen. Doch es waren nicht nur die Jugendlichen, die sagten, dass sie ein Jugendzentrum wollen; auch die Vorsitzenden der örtlichen Vereine sahen den Sinn einer offenen Jugendarbeit, denn sie könnten nicht alle Jugendlichen erreichen. 1996 fand sich dann eine politische Mehrheit, erinnerte sich Johannßen.

Zehn Jahre später kaufte die Gemeinde das 150 Jahre alte Gebäude, „das jetzt endlich topsaniert ist“. Wichtigster Punkt: Das Jugendzentrum ist barrierearm. Der alte Öltank wich modernen Sanitäranlagen, für die Wärme sorgt jetzt eine Wärmepumpe; auch Dach, Fassade, Boden wurden saniert, die Elektronik auf neuesten Stand gebracht. In einem neuen Glasanbau als Eingang, gibt es jetzt zudem eine Flextreppe, die sich bei Bedarf in einen Hebelift verwandelt. „Im Kern wurde das Ganze auf links gedreht“, sagte Samtgemeindebürger­meister und Stadtdirektor Frank Thielebeule.

Rund 1,3 Millionen Euro hat die Sanierung gekos­tet, die zu 90 Prozent aus dem Bund-Länder-Programm „Lebendige Zentren“ gefördert wurde. Nur durch diese Förderung konnte die dringend notwendige Sanierung angegangen werden, wie sowohl Johannßen als auch Thielebeule in ihren Grußworten betonten.

Thielebeule sprach dabei auch die Resolution „Rettet die Kommunen“ an, die zwei Tag zuvor von 400 Landräten, Bürgermeis­tern, Ratsmitgliedern und Kreistagsabgeordneten an Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies übergeben wurde. In dieser warnen sie vor der schwersten kommunalen Finanzkrise seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und fordern, wirksame Maßnahmen einzuleiten.

Eine notwendige Resolution, wie Thielebeule findet, denn: „Wir können nur gute Politik machen, wenn die Kommunen finanziell gut ausgestattet sind.“