Landrat Kai-Uwe Bielefeld (r.) mit den Geehrten auf den Stufen der Burg in Bad Bederkesa       Foto: Landkreis

LANDKREIS re ∙ Landrat Kai-Uwe Bielefeld hat am Dienstag die Reservisten Oberstabsfeldwebel d.R. Rolf Lewerenz, Fregattenkapitän a.D. Arno Klass, Stabs­unteroffizier Marten Petersohn, Stabsunteroffizier Andy Beer, Hauptgefreiter d.R. Herbert Nühring, Obergefreiter d.R. Bernd Bolowski, Obergefreiter d.R. Bernd Sommer und Förderer Heinz Lewerenz in der Burg Bederkesa für ihre Beteiligung an der Pflege und Aufarbeitung der Kriegsgräberstätte auf dem größten deutschen Soldatenfriedhof des Ersten Weltkrieges in Neuville-St. Vaast in Frankreich geehrt.

Die Reservisten waren in der Zeit von 4. bis 15. Oktober 2021 auf dem Friedhof im Einsatz. „Wir sind mit den Reservisten im Kreisgebiet sehr gut aufgestellt“, lobte Landrat Kai-Uwe Bielefeld die hohe Einsatzbereitschaft der Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung. Er überreichte den Anwesenden gemeinsam mit dem Volksbund Bezirksgeschäftsführer Jan Effinger für ihr Engagement beim Kriegsgräberpflegeeinsatz eine Urkunde des Landesvorsitzenden des Volksbundes, Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Einen weiteren Dank und Anerkennung sprach den Reservisten der ehrenamtliche Bürgermeis­ter der Gemeinde Wingst Patrick Pawlowski aus.

Bezirksgeschäftsführer Effinger konnte sich neben der hervorragenden Arbeit der Reservisten über zwei Spenden im Wert von insgesamt 1.500 Euro, überreicht durch die Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung, freuen. Bereits im Vorfeld waren Spenden im Wert von knapp 2.500 Euro überreicht worden.

Auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St. Vaast ruhen heute die Kriegsteilnehmer aus mehr als 100 verschiedenen Infanteriedivisionen und Artillerieregimentern sowie zahlreichen anderen Einheiten, wie Pionieren, Fliegern, Minenwerfern. Sie verloren ihr Leben bei den schweren Kämpfen um Artois und um die Lorettohöhe von August 1914 bis Ende 1915, um die Vimy-Höhe Ostern 1917 und im Herbst 1918 sowie durch den zwischen den Großkampftagen andauernden Stellungskrieg. Die beteiligten Truppenteile kamen aus allen Ländern und Provinzen des damaligen Deutschen Reiches.

Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Jahre 1928 aufgrund einer 1926 mit den zuständigen französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Ab 1935 übernahm die Wehrmacht die Patenschaft und die Soldaten spendeten damals mehrere Millionen Reichsmark. Der Zustand des Friedhofes konnte jedoch kaum geändert werden, da Devisenmangel und der 1939 ausbrechende Zweite Weltkriege weitere Arbeiten verhinderten. Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – finanziell unterstützt von der Bundesregierung – die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen.

Mit einer französischen Sondergenehmigung hatten bereits in den Jahren 1959 bis 1961 die Teilnehmer des internationalen Jugendlagers des Volksbundes geholfen. Die Gemeinde Neuville-St. Vaast stiftete zum Abschluss dieser Arbeiten ein Holzkreuz mit der Inschrift „Paix aux Hommes de Bonne Volonté“ (Den Menschen, die guten Willens sind). Ab 1974 begannen landschaftsbauliche Arbeiten, wie die Erneuerung und Ergänzung von Bäumen und Sträuchern. Parallel dazu versetzten Soldaten der Bundeswehr und Teilnehmer an Volksbund-Jugendlagern in vierjährigem Einsatz annähernd 10.000 schwere Betonsockel, die für die neuen Kreuze gebraucht wurden.

Von den 36.848 Gefallenen in Einzelgräbern blieben 588 unbekannt. 8.040 Gefallene ruhen im Gemeinschaftsgrab. Die 131 Gräber der Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein. Unter großer Beteiligung von Vertretern des französischen Staates und der Armee sowie der Bevölkerung erfolgte am 13. November 1983 die Einweihung des Friedhofes.