Was bringen die nächsten fünf Monate? Autor Hank Zerbolesch ist gespannt und offen für Neues Foto: Giesecke
OTTERNDORF hgi ∙ Mit einem herzlichen Empfang in der Galerie im Johann-Heinrich-Voß-Haus wurde am Dienstag der neue Stadtschreiber der Stadt Otterndorf offiziell begrüßt. Seit dem 1. Juni lebt und arbeitet der Schriftsteller Hank Zerbolesch für fünf Monate im traditionsreichen Gartenhaus am Süderwall. Aus rund 80 Bewerbungen hatte der Ausschuss für Jugendpflege, Kultur, Soziales und Sportangelegenheiten den Autor ausgewählt.
Zahlreiche Mitglieder des Ausschusses sowie interessierte Gäste waren zur Vorstellung erschienen. Bereits in der Altstadtbuchhandlung hatte Inhaberin Susann Rennebeck mehrere Werke des Autors ausgelegt und damit einen ersten Einblick in dessen literarisches Schaffen ermöglicht.
Die stellvertretende Bürgermeisterin und Kulturausschussvorsitzende Ursula Holthausen hieß den Gast aus Wuppertal in lockerer Atmosphäre willkommen. Mit einem Augenzwinkern erläuterte sie die Unterschiede zwischen der Großstadt und der kleinen Nordseestadt: „Otterndorf ist im Gegensatz zu Wuppertal eine ganz kleine Stadt – immerhin schon seit 625 Jahren.“ Eine große Kulturszene gebe es zwar nicht, dafür aber einen Strand und offene, kontaktfreudige Menschen.
Dass diese Offenheit keine leere Floskel ist, konnte Zerbolesch bereits bei seiner Ankunft erfahren. Das Gartenhaus habe er zunächst nicht auf Anhieb gefunden, berichtete er. Nachdem er den Einheimischen erklärt hatte, was ihn nach Otterndorf führe, sei ihm freundlich weitergeholfen worden. Für den Schriftsteller ein gelungener Auftakt seines Aufenthalts.
Wer den neuen Stadtschreiber kennenlernen möchte, ist grundsätzlich willkommen. Allerdings bat Zerbolesch darum, die frühen Morgenstunden zu respektieren. „Zwischen sieben und zehn Uhr ist meine Arbeitsphase, die ich immer einhalte“, erklärte er.
Als Willkommensgeschenk überreichte Ursula Holthausen dem Autor eine Flasche Wein und einen Blumenstrauß. Begleitet wurde die Geste von einem Zitat aus Goethes „Faust“: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“ Zugleich versprach sie: „Wir wünschen viel Freude in Otterndorf und tun dafür unser Möglichstes.“
Inhaltlich widmet sich Hank Zerbolesch seit Jahren vor allem den Menschen am Rand der Gesellschaft. „Was ich heute mache, habe ich bei meinem Gang durch die sozialen Schichten gelernt“, sagte er. In seinen Büchern wolle er diejenigen sichtbar machen, die häufig übersehen würden. Dabei spiele für ihn Loyalität eine zentrale Rolle: „Je mehr man hat, desto mehr ist man füreinander da.“
Auch seine Geburtsstadt Düsseldorf, in der er zwanzig Jahre verbracht hat, prägt sein Schreiben bis heute. Immer wieder tauchen vertraute Orte und Erinnerungen in seinen Werken auf – etwa das typische „Büdchen“ an der Straßenecke, das für ihn ein Stück Heimat verkörpert.
Als Underground-Poet und Romanautor steht Zerbolesch für einen direkten, schonungslosen Realismus. Seine Texte zeichnen sich durch eine klare Sprache und den Blick auf menschliche Abgründe aus. Sein jüngster, vielfach gelobter Roman „Gorbach“ schildert das Aufeinandertreffen unterschiedlichster sozialer Milieus am Rand einer Großstadt.
Während seines Aufenthalts in der Medemstadt dürfen sich Literaturfreunde auf weitere Begegnungen mit dem Autor freuen. Die erste öffentliche Lesung unter dem titel „Moin ist das neue Tach“ findet am Dienstag, 30. Juni, um 19.30 Uhr in der Stadtscheune Otterndorf statt.
Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhätlich.