Gut beschirmt vom Schirmherrn, der den ersten Ringelnatz-Schirm geschenkt bekam: v.l. Oberbürgermeister Uwe Santjer, Erika Fischer, Leiterin des Ringelnatz-Museums, Minister Falko Mohrs, Schirmherr der Ausstellung, und Kurator Dr. Ulrich Luckardt Fotos: Giesecke

CUXHAVEN hgi ∙
Das Schloss Ritzebüttel wurde am vergangenen Sonntag zum Treffpunkt zahlreicher Kunst- und Kulturinteressierter. Die Vernissage der Ausstellung „Es hat sich selbst aus mir gemalt! – Ringelnatz als Maler“ lockte viele Gäs­te an einen Ort, an dem sich Geschichte, Kunst und Humor auf besondere Weise begegneten.

Gemeinsam präsentieren das Joachim-Ringelnatz-Museum und das Schloss Ritzebüttel eine außergewöhnliche Sonderausstellung mit persönlichen Leihgaben, Werken aus Privatbesitz, Exponaten anderer Museen sowie zahlreichen Gemälden aus dem Bestand des Ringelnatz-Museums. Eine Ausstellung dieser Art hat es in Cuxhaven bislang nicht gegeben.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von den „Fishermen“, deren vertonte und gesprochene Texte von Joachim Ringelnatz den Bildern zusätzliche Lebendigkeit verliehen.

Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, hatte die Schirmherrschaft übernommen. Besonders erfreut zeigte sich Erika Fischer, Leiterin des Ringelnatz-Museums, über seinen persönlichen Besuch. Ebenso begrüßte sie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer. In seinem Grußwort betonte er die Bedeutung des Museums für die Stadt: „Wir werden eine Lösung finden, mit Nachdenken, Schmunzeln nach gestern und froh nach morgen blicken.“

Mit der Ausstellung richtet sich der Blick weit über die Region hinaus auf Cuxhaven. Nach ihrer Präsentation im Schloss Ritzebüttel wird die Wanderausstellung auch im Buchheim-Museum in Bernried sowie im Ernst Barlach Haus in Hamburg zu sehen sein.

„Mich juckt’s, doch ich kann mich nicht jucken, weil meine Finger voll Farbe sind.“ Mit diesem Zitat aus Gedichten dreier Jahre (1932) öffnet sich zugleich ein Blick auf den Maler Ringelnatz. Minis­ter Mohrs bezeichnete ihn als prägende Persönlichkeit der Region: „Ringelnatz knüpfte an die Tradition norddeutscher Kultur an, in der man erst später den großen Maler mit einer Prise Humor entdeckte. Wenn Menschen zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven. So kann man Ringelnatz erleben und weitertragen.“

Der Kurator der Wanderausstellung, Dr. Ulrich Luckhardt, hob ebenfalls die Bedeutung des Ringelnatz-Museums für Niedersachsen hervor. Dabei stellte er die Frage, ob Joachim Ringelnatz eher ein malender Dichter oder ein dichtender Maler gewesen sei. Seine Werke entziehen sich einer eindeutigen Zuordnung: Einen klaren roten Faden oder eine stilis­tische Entwicklung suche man vergebens. Gerade darin liege ihre besondere Eigenwilligkeit. Die Gemälde zeigen unterschiedlichste Facetten seines künstlerischen Schaffens.

Bei genauerem Hinsehen öffnen sich in vielen Bildern skurrile, bisweilen abgründige Welten. Das bekannte Gemälde „Hafenkneipe“ etwa gewährt den Blick durch eine Fens­terfront in das Innere einer Gaststätte. Entstanden ist das Bild jedoch nicht am Hafen, sondern 1933 in Berlin, unweit der Wohnung, in der Ringelnatz mit seiner Frau „Muschelkalk“ lebte.

Eine wertvolle Ergänzung zur Ausstellung bietet der begleitende Katalog „Es hat sich selbst aus mir gemalt!“ mit Beiträgen von Stephan Dahme, Dagmar Lott, Ulrich Luckhardt, Florian Rogge und Joachim Ringelnatz.

Während die Ölgemälde im Schloss Ritzebüttel ausgestellt werden, zeigt das Museum die Aquarelle von Joachim Ringelnatz. Eine Sonderausstellung im Museum widmet sich zudem den Geschichten hinter den Bildern: Wem gehörten die Gemälde, bevor sie ins Museum kamen? Wo waren sie in den letzten 100 Jahren schon überall zu sehen?

Die Ausstellung im Schloss Ritzebüttel ist vom 12. Mai bis zum 12. Juli zu sehen, die Ausstellung im Ringelnatz-Museum bis zum 28. Februar 2027. Hier kann auch der Katalog erworben werden, der zur Ausstellung im Schloss im Hirmer-Verlag erschienen ist.