Überzeugten mit emotionaler Tiefe und technischer Brillanz: Bluesgitarrist Danny Bryant und seine Bandkollegen, hier im Zusammenspiel mit Bassist Artjom Feldtser Fotos: tw

CUXHAVEN tw ∙
Das „Classic Rock Magazin“ nannte ihn einmal „Britains National Blues Treasure“ – ein Titel dem Danny Bryant mit seinen Bandkollegen am Samstag in den Hapag-Hallen mehr als gerecht wurde. Mal flüsternde, mal schreiende Gitarrenklänge, eine Stimme, die sich die Seele aus dem Leib schreit, um dann auch wieder mit leiseren Tönen zu begeis­tern – der britische Gitarrist und Sänger bewies, dass er nicht umsonst als einer der besten britischen Bluesgitarristen bezeichnet wird. Und seine Bandkollegen standen ihm in nichts nach.

In immer wieder mitreißenden Soli zeigten sich Marc Raner an der Gitarre, Jamie Pipe am Keyboard, Artjom Feldtser am Bass und Alex Hinz am Schlagzeug als Blues-Rocker vom Feinsten. Und die Hapag-Hallen erwiesen sich als perfekte Location, entstand durch die Nähe zum Publikum doch eine ganz besondere Atmosphäre, die der Musik von Danny Bryant gut tat, der in seinen aktuellen Songs auf seiner inzwischen 17. CD „Nothing Left Behind“ auch private Krisen verarbeitete und jetzt nach längerer Krankheit wieder mit voller Power auf der Bühne steht.

„Die haben ja richtig Bock“, hörte man dann auch aus den Zuschauerreihen. Und mit einer Spielfreude, die nicht zu wünschen übrigließ, sorgten Danny Bryant und Band für Sounds, die das Publikum in Schwingung versetzte und zum abrocken animierte.

Eingeladen hatte Jazz & Folk Cuxhaven (JFC), und dessen Vorsitzender Wolfgang Kuhn hatte nicht zu viel versprochen, als er sagte, „das heute härtere Klänge als sonst beim JFC zu hören sind“. Was den einen oder anderen im Publikum nicht überraschte, kannten sie den Bluesgitarristen doch schon von einem Auftritt vor 19 Jahren beim JFC, damals noch mit seiner ­„RedEyeBand“ und seinem Vater Ken Bryant am Bass.

Über eines von Bryants vergangenen Konzerten sagte der Musikkritiker Dylan C. Akazien auf ­JazzandRock.com: „Dieses Konzert ist eines der bes­ten Danny­-Bryant-Konzerte, die ich gesehen habe. Es ist extrem intensiv, musikalisch auf höchstem Niveau und emotional offen wie selten. Die Lyrics wirken an diesem Abend wie ein Tagebuch – ohne Selbstmitleid, aber mit großer Ehrlichkeit.“ Dem konnte man am Samstag in den Hapag-Hallen voll zustimmen. Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum bei Danny Bryant und Band, die sich nicht lange bitten ließen, und mit „Stop Breaking Down“ und „Enemy Inside“ als Zugabe noch einmal mit der ganzen Bandbreite ihres Könnens begeisterten.

Mit diesem Konzert verabschiedete sich Jazz & Folk Cuxhaven in die – wegen der Fußball-WM – verlängerte Sommerpause, auch wenn Wolfgang Kuhn gern noch die Sängerin Noa präsentiert hätte. Ein Auftritt, der aus terminlichen Gründen nicht zustande kam. Deshalb legt er allen Musikbegeisterten ihren Auftritt am Mittwoch, 3. Juni, in der „Glocke“ in Bremen ans Herzen. Noa, als Tochter jemenitischer Eltern in Israel geboren und von ihrem zweiten bis zum 17. Lebensjahr in New York aufgewachsen, vereint in ihrer Persönlichkeit viele musikalische Facetten. Mühelos bewegt sich die ausdrucksstarke Sängerin zwischen den Stilen, kombiniert poetischen Jazz mit orientalischen Einflüssen, abgerundet durch Einflüsse aus Pop, Rock, R&B und Folk. Mit ihrem kontinuierlichen Engagement für Frieden und Versöhnung zwischen Juden und Palästinensern gilt sie schon lange als eine „Stimme des Friedens“. Mauern aus Sprachen, Religion und Vorurteilen möchte sie überwinden und musikalisch Brücken bauen für mehr Respekt und Dialog.

Noch ein bisschen länger dauert es bis zum nächs­ten Konzert in den Hapag-Hallen. Am 26. September ist „Wildes Holz“ beim JFC zu Gast und lädt ab 20 Uhr zur „Block Party“.
www.jazzundfolkcuxhaven.de