N-Ports-Geschäftsführer Holger Banik hielt den Moment in einem Selfie mit seinem Kollegen Knut Kokkelink, Ministerpräsident Olaf Lies (v.l.) und – verdeckt – Oberbürgermeister Santjer fest Foto: tw
CUXHAVEN tw ∙ Es ist ein imposantes Bild, dass sich dem Beobachter zurzeit beim Bau der Liegeplätze 5 bis 7 bietet. Langsam fährt dort ein Hopperbagger die 1.250 Meter lange Kaikante entlang, und spritzt in einer riesigen Fontäne ein Wasser Sand-Gemisch auf die geplante 28 Hektar große neue Terminalfläche.
Am Ende werden es gut drei Millionen Kubikmeter Sand aus Weser und Jade sein, die zur Fertigstellung der neuen Liegeplätze benötigt werden, wie Knut Kokkelink, Niederlassungsleiter von Niedersachsen-Ports (N-Ports) in Cuxhaven am Mittwoch bei einem „Energie-Frühstück“ mit Blick auf den Hopperbagger sagte und hinzufügte, dass bis Ende 2028 die Flächen übergeben werden sollen.
Eingeladen hatte N-Ports mit seinem Geschäftsführer Holger Banik, der neben Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Hafenbetrieb auch Ministerpräsident Olaf Lies und Oberbürgermeister Uwe Santjer begrüßen konnte.
Wie wichtig diese Liegeplätze für Deutschlands einzigen Offshore-Hafen sind, machte Kapitän Arne Ehlers, Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven, deutlich. So wurden im letzten Jahr 5.275 Windenergiekomponenten über die Cuxhavener Hafenbetriebe umgeschlagen. Rund 80 Prozent der Rotorblätter für deutsche Offshore-Projekte werden über den Hafen abgewickelt. Das Umschlagsvolumen liege inzwischen bei rund fünf Gigawatt pro Jahr. „Damit ist Cuxhaven ein systemrelevanter Standort für die Energiewende.“
Zudem ging er auch auf die vielen Firmen ein, die sich hier ansiedeln. Insgesamt nähere sich das Gesamtinvestitionsvolumen der drei Milliarden-Marke. „Geografisch liegt die Stadt Cuxhaven optimal für die Offshore-Industrie.“ Dass die Entwicklung so gut gelinge, liege aber vor allem an der guten Zusammenarbeit von Politik – über alle Farbgrenzen hinweg -, Wirtschaft und Verwaltung, „die hier vorbildlich einer der Treiber ist“.
Auch Oberbürgermeister Uwe Santjer wies auf die Bedeutung Cuxhavens als Klimastadt hin. „Die Energiewende findet hier statt.“ Hier werde in Technologie investiert, die in die Zukunft gerichtet sei, die Arbeitsplätze schaffe und jungen Menschen eine Perspektive biete.
Schon beim ersten Rammschlag vor einem Jahr machte Ministerpräsident Olaf Lies – damals noch als Wirtschaftsminister – deutlich, dass es sich bei den Liegeplätzen um ein Projekt von nationaler Bedeutung handle. Und auch am Mittwoch betonte er die Bedeutung von Cuxhaven als „Deutsches Offshore Industrie Centrum“ über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Die Infrastruktur sei dabei ein entscheidender Faktor. Um Windenergieanlagen draußen auf See zu haben, „müssen wir produzieren, müssen wir lagern, müssen wir Vorbereitungen treffen“. Deshalb sei es großartig, „dass wir es gemeinsam mit dem Bund und der Wirtschaft geschafft haben, die Liegeplätze auf den Weg zu bringen und damit die Voraussetzung für die Energiewende zu schaffen“.
Einen Wermutstropfen gab es aber auch. „Wir erleben zurzeit ein Höchstmaß an Verunsicherung, das ist gerade eines unserer Probleme.“ Und fügte hinzu: „Wir müssen weg von Scheindebatten und wieder hin zur Realität.“ Und bezog sich dabei unter andere auf die von Markus Söder ins Spiel gebrachten kleinen Kernkraftwerke. „Kraftwerke, die nie kommen werden. Damit streut man den Menschen Sand in die Augen“, sagte er. Der Weg müsse wieder hin zur Realität gehen „Und die Realität ist bezahlbare verlässliche Energie und dafür brauchen wir den Ausbau der Offshore-Windenergie.“
Deshalb brauche es einen klaren Kurs auch von Seiten der Bundesregierung. „Ich hab‘ so ein bisschen das Gefühl, jetzt wissen wir nicht mehr wohin und das ist fatal. Wir können uns nicht auf einen Weg machen, der eine Menge an verlässlichen Investitionen erfordert, und der Industrie nach sich zieht, die investiert, um dann auf dem Weg zu sagen, ‚oh wir wissen gar nicht, ob das der richtige Weg ist‘. Selbst wenn man das macht – was ich nicht verstehe, ist einen anderen Weg aufzuzeigen, den es gar nicht gibt.“ Denn kleine AKW gebe es noch nicht, sie seien ein Modell.
Er ist sich dabei einig mit Arne Ehlers, der ebenfalls deutlich machte, dass die Industrie verlässliche Rahmenbedingungen über die Legislaturperiode hinaus brauche.
Das größte Problem, das immer wieder diskutiert werde, sieht Ministerpräsiden Lies jedoch darin, dass durch den schleppenden Netzausbau, ständig Energie da sei, die nicht gebraucht werde. Doch das Problem lasse sich lösen, indem man überall dort, wo der Ausbau der Erneuerbaren vorangeht, die Energie – die man gerade nicht ins Netz geben könne – nutze, etwa durch die Ansiedlung energieintensiver Betriebe, wie etwa Rechenzentren, die dann den Vorteil hätten, die Energie in dieser Zeit besonders günstig zu bekommen.
Und er ist überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist, ohne dabei blauäugig zu sein. „Wir brauchen bezahlbare, verlässliche Energie. Aber wir sind nicht blind, wir wissen auch, dass wir neben den Erneuerbaren auch noch Gas brauchen. Nur klimaneutraler Strom, das wird nicht funktionieren, da brauchen wir noch eine ganze Reihe von Zeit. Und da brauchen wir Gas, nicht immer die entweder oder Debatte, sondern eine Debatte, die zeigt was wirklich umsetzbar und machbar ist.“ Und der Standort Cuxhaven zeige eindeutig, wie das zu etwas führen kann, das die Menschen überzeugt, „wenn es zu wirtschaftlichem Aufschwung, zu neuen Arbeitsplätzen neuen Wohngebieten führt“.