Birgitta Gooß-Wedemeyer ist begeisterte Sportschützin, die schon an mehreren Deutschen Meisterschaften teilgenommen hat Foto: Dahmke
OTTERNDORF tw ∙ Oft ist Birgitta Gooß-Wedemeyer in Otterndorf unterwegs, fotografiert dabei am liebsten kleine Lebewesen und andere Naturwunder mit ihrer Makrokamera. Als Fan der Fischtown-Pinguins ist sie des Öfteren auch bei den Spielen in Bremerhaven oder auch auswärts anzutreffen. Und da sie gerne singt, ist sie mit ihrem Sopran zudem Mitglied bei „The Cheerful Otterndorf“.
Hobbys und Leidenschaften, die im Lauf der Zeit ihr Leben bereichert haben. Doch eine Leidenschaft begleitet sie schon seit frühester Jugend – der Schießsport. Seit 43 Jahren ist sie Mitglied im Hadler Schützencorps Otterndorf von 1863 e.V. (HSC).
Schon ihr Uropa und ein großer Teil ihrer Familie war im HSC aktiv, wodurch sie fast automatisch in den Verein reingewachsen ist. „Bereits als Vierjährige war ich als Blumenmädchen beim Schützenumzug dabei und als ich größer wurde, habe ich die Samtkissen mit den Königsorden in weißer Kleidung mit Begeisterung bei den Umzügen präsentiert“, erzählt sie mit leuchtenden Augen beim Blick auf alte Fotos. „Jedes Jahr hat meine Oma mir von ihrer Cousine ein neues Schützenfestkleidchen schneidern lassen.“ Immer mit Liebe zum Detail. So erinnert sich Birgitta Gooß-Wedemeyer besonders gern an ein weißes Kleid mit vielen roten Marienkäfern.
Es sollte dann noch ein paar Jahre dauern, bis sie selbst aktive Schützin wurde. Mit 14 Jahren schoss sie sich an der Schießbude zur stolzen Kinderkönigin „und mit 16 Jahren durfte ich endlich in das Hadler Schützencorps eintreten“. In ihrer Jugend hat die gebürtige Otterndorferin das Luftgewehr-Freihand-Schießen auf Kreisebene praktiziert, einige Zeit auch noch in der Damenklasse. Doch dann kam ihr – wie es so schön heißt – „das Leben dazwischen“, in ihrem Fall ihre beiden Jungs, von denen sie begeistert erzählt. Und so folgte eine zehnjährige Baby- und Kinderpause. Ihr Schlüsselerlebnis sich dem Schießsport wieder aktiv zu widmen hatte sie 2008. „Mein Jüngster wurde Kinderkönig. Und bei der feierlichen Abholung wollte ich dann wieder dabei sein.“ Und das nicht nur als stolze Mutter, sondern als aktive Schützin. Seitdem geht sie dem Sport mit „Haut und Haar“ nach. Im Jahr 2008 wieder aktiv geworden, hat sie erstmal mit dem Luftgewehr Auflage-Schießen begonnen.
„Das machte mir dann so viel Spaß, dass ich den Schießsport anderen, besonders Kindern, auf unseren Schützenfesten und alljährlichen Ferienpassaktionen näherbringen wollte“, so Gooß-Wedemeyer. Dafür hat sie beim Bezirksschützenverband ihre Waffensachkunde, ihre Schießsportleiterausbildung und ihre Jugendbasislizenz erfolgreich abgelegt. „Seitdem kann ich die Aufsicht auf dem Schießstand machen und einen Schießwettkampf leiten.“ Bei diesen Ausbildungen hat sie aber auch viel von den Wettkämpfen und Meisterschaften erfahren und Blut geleckt. Dort wollte sie auch dabei sein.
Schon bald wechselte sie die Altersklasse (ab dem 45. Lebensjahr) und konnte dort die Disziplin Luftgewehr-Auflage bis zur Landesmeisterschaft ausüben.
„Meine eigenen Schießtätigkeiten habe ich durch immer intensiveres Training mit Claus-Dieter Kindler – er besitzt den C-Trainer Schein für Luftgewehr und kann aus seinen langen erfolgreichen Schießerfahrungen viel Wissen weitergeben – weiter ausgebaut.“ Zusätzlich hat sie das Kleinkaliber-Schießen mit ins Training aufgenommen. Seitdem schießt sie in den Disziplinen Kleinkaliber (KK) 50 Meter Auflage und KK 100 Meter Auflage. Ein Wettkampfdurchgang besteht dabei aus 30 Schuss stehend aufgelegt. „Es ist immer eine aufregende Sache, wenn ein Wettkampf geschossen wird“, so Gooß-Wedemeyer.
Vor allem auch, weil bei jeder Meisterschaft die Möglichkeit bestehe, sich für die nächsthöhere zu qualifizieren und ab der Seniorenklasse sogar bis zur Deutschen Meisterschaft. „2018 ist es mir gleich im 1. Anlauf mit dem Luftgewehr gelungen und im Jahr 2019 habe ich es zusätzlich zum Luftgewehr auch mit dem Kleinkaliber Gewehr geschafft. Seitdem durfte ich schon sechs Mal an den Deutschen Meisterschaften erfolgreich teilnehmen.“
Im Winter schießt sie zudem schon seit über zehn Jahren in der Liga auf Bezirksebene mit ihren Schießkollegen Alfred Rühmkorf, Burkhard Frey, Claus-Dieter Kindler und Dieter Voß. „Das macht viel Spaß und wir haben schon viele Freundschaften mit Vereinen aus dem Bremervörder Raum und umzu geschlossen.“
Doch was muss man mitbringen, um beim Schießsport erfolgreich zu sein? „Es kommt auf mehrere Komponenten an“, sagt sie. „Die Konzentration vom ersten bis zum letzten Schuss, das genaue Zielen, Auslösen, sowie Nachhalten eines jeden Schusses, gute Ausrüstung (Schießbekleidung, Gewehr), Sicherheit und Ruhe.“ Und ihr Werdegang beim Hadler Schützencorps zeige, was das Besondere am Schießsport ist: „Er kann von Jung bis Alt ausgeübt werden.“
Doch so begeistert sie auch von ihren Hobbys ist, denen sie mit großer Leidenschaft nachgeht. Das Wichtigste in ihrem Leben sind ihr Mann Torsten und ihre beiden Söhne. Und ihr Mann hat ihren Weg im Schießsport fast von Anfang an miterlebt. „Wir haben uns schon in der Schule kennengelernt.“ Seit 44 Jahren gehen sie bereits gemeinsam durchs Leben und teilen eine gemeinsame Leidenschaft – die Liebe zu Bayern, wo sie immer wieder gerne ihre Urlaube verbringen.
Das Hadler Schützencorps in Otterndorf ist ein Traditionsverein, der in diesem Jahr schon seit 163 Jahren besteht und der sich wie viele andere Vereine im Wandel befindet. Die Mitgliederzahlen werden weniger und viele traditionelle Bräuche sind veraltet und werden umgewandelt oder auch abgeschafft.
„Als festes Standbein des HSC gewinnt der Schießsport immer mehr an Bedeutung und wir freuen uns jedes Mal, wenn Interessierte, zu unseren Trainingszeiten montags ab 17 Uhr im Schießstand hinter der Stadthalle vorbeischauen“, so Birgitta Gooß-Wedemeyer, die am Mittwoch zur neuen Schießsportleiterin des HSC gewählt wurde.
Weitere Informationen finden Interessierte unter https://hadler-schuetzencorps.hpage.com.