Alexander Häusser freut sich, nach 13 Jahren wieder Gast im Gartenhaus am Süderwall zu sein Foto: tw
OTTERNDORF tw ∙ „Das war eine tolle Zeit. Ich habe hier viel gemacht und verbinde nur Gutes mit Otterndorf und ‚meinem Gartenhaus‘.“ Der Hamburger Autor und Drehbuchschreiber Alexander Häusser kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er an seine Stadtschreiberzeit im Jahr 2012 zurückdenkt. Umso größer war seine Freude, als er in diesem Jahr die Einladung erhielt, noch einmal für einen Monat Stadtschreiber in Otterndorf zu sein. „Das ist so schön hier. Man kann hier so gut arbeiten. Wunderbar!“ Und er freut sich wie damals über die Freundlichkeit und Zugewandtheit, mit der er in Otterndorf empfangen und aufgenommen wurde. So hatte er 2012 den Stadtschreiberstammtisch ins Leben gerufen, „und die Teilnehmer haben sich auch jetzt wieder gemeldet, damit wir uns treffen und austauschen können“. Das sei richtig familiär. Und etwas für ihn Einmaliges. „Ich hatte das Glück viele Stipendien zu bekommen, aber Otterndorf ist etwas ganz Besonderes. Diese Offenheit, man fühlt sich nicht als Fremder.“ Deshalb sei sein jetziger Aufenthalt, wie ein zurückkommen und „sehr, sehr schön“.
Für ihn schließt sich mit dieser Einladung aber auch ein Kreis. „Als ich das letzte Mal hier war, hatte ich gerade mit meinem neuen Buch angefangen und konnte mich aufs Schreiben konzentrieren. Und dieses Mal sitze ich an den letzten beiden Kapiteln meines aktuellen Buches und kann mich wieder darauf konzentrieren.“ Beide Einladungen zum Stadtschreiberstipendium sind für ihn deshalb ein Glücksfall, der gerade zur richtigen Zeit kam. „Die Zeit zum Schreiben muss ich mir sonst immer stehlen. Hier wird sie mir geschenkt. Das ist fabelhaft.“
Denn seine Zeit in Hamburg ist prall gefüllt.
In den Jahren nach seinem Aufenthalt habe sich viel positives entwickelt, erzählt er. So arbeitet er an drei Gymnasien in einer Schreibwerkstatt mit Schülern. Arbeitsgruppen, die zwar in der Schule stattfinden, aber nichts Schulisches hätten, da er von außen komme. „Und sie sind mit Feuereifer dabei“, freut Häusser sich über die teilnehmenden Jungen und Mädchen; können sie sich doch ganz unbelastet ausprobieren. „Es ist erstaunlich, welche Ergebnisse es gibt.“
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Zudem hat er in Hamburg die Lesebühne „Karpfenteich“ ins Leben gerufen, und gibt Menschen, die etwas geschrieben haben, die Möglichkeit, dies vor Publikum vorzulesen und sich mit diesem auszutauschen. Dadurch erhalten Nachwuchsautoren die Chance, zu erfahren, wie das Geschriebene beim Publikum ankommt. „Denn das Feedback ist immer ganz wichtig.“ Im Zusammenspiel mit musikalischen Darbietungen, entstünden atmosphärisch dichte Veranstaltungen, bei denen „manche Perle zu entdecken ist, auch wenn nicht alles veröffentlicht wird“.
Vor sechs Jahren ist noch ein neues Projekt dazugekommen, das Häusser zusammen mit dem Kirchenkreis in seinem Wohnort in Hamburg-Schnelsen ins Leben gerufen hat und bei dem einmal im Monat Lesungen stattfinden. In diesem Rahmen findet seit drei Jahren jeweils im Herbst ein mehrtägiges Literaturfestival statt. „Das ist sehr beglückend“, sagt er. „Es wird so gut angenommen und geschätzt, Kultur an den Stadtrand zu holen.“
Und nicht zu vergessen ist sein 2019 erschienener Roman „Noch alle Zeit“. In diesem wie in seinen anderen Büchern wie etwa „Hungerwinter“, „Zeppelin“ oder „Karnstedt verschwindet“ ist er immer in die Vergangenheit abgetaucht, hat dabei immer mit verschiedenen Zeitebenen gespielt. Das Buch, an dem er gerade schreibe, spiele jedoch nur auf einer Zeitebene. „Das ist eine neue Herausforderung“, sagt er.
Sein neues Werk spielt im Bremerhaven der 1930er Jahre, kurz nach der Machtübernahme durch Hitler. „Es ist eigentlich eine Ehegeschichte.“ Gehe es doch um eine Fischarbeiterin und ihren Mann, einen Drucker, die ein großer Schicksalsschlag trennt, da sie darüber nicht miteinander reden können und dabei nicht merken, was um sie herum passiert. Doch dann können auch sie die Augen vor den politischen Ereignissen nicht mehr verschließen und Haltung gefragt ist.
Leser, die jetzt schon gespannt auf Alexander Häussers neuen Roman sind, müssen sich jedoch noch ein wenig gedulden, denn geplant ist, dass er im Herbst nächsten Jahres erscheint.
Wie viel beim Schreiben auch Biographisches in Romanen steckt, können Besucher am Freitag, 29. August, bei der „Langen Nacht der Kultur“ erleben, wenn Alexander Häusser unter dem Titel „Mit roter Tinte schreiben“ im Johann-Heinrich-Voß-Literaturmuseum von 18.30 bis 19 Uhr und von 19.45 bis 20.15 Uhr darauf eingeht, wie das Leben zur Literatur wird und ab 21 Uhr mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Kerstin von Schwerin ins Gespräch kommt. An diesem Abend will er auch auf alle seine Bücher eingehen und aus ihnen lesen, um darzustellen, wie viel vom eigenen Leben in Literatur mit einfließt. „Bestimmte Themen und Motive spielen immer eine Rolle und lassen sich wiederfinden.“ Bei ihm selbst ist es die Auseinandersetzung mit dem Vater, die sich immer wieder in seinen Romanen widerspiegelt, und das oft unbewusst, wie er sagt.
Und wie viele Autoren kennt auch Häusser die Angst vorm weißen Blatt. „Oft mache ich mir erst einmal handschriftliche Notizen. Das ist dann nicht so endgültig. Beim Übertragen auf den Rechner ist das schon fast wie die erste Bearbeitung. Ich merke, da ist schon etwas da.“ Beim Schreiben lässt er sich dann oft von seinen eigenen Figuren überraschen, denn er plotte vorher nicht schon das ganze Buch. Die Geschichte – Anfang, Mitte, Ende – die habe er im Kopf. „Aber beim Schreiben machen meine Figuren Sachen, die waren am Anfang nicht geplant“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist eine sehr schöne Erfahrung, weil es mir zeigt, dass meine Figuren zu leben beginnen.“