Freuten sich über einen gelungenen Start in das Elbekirchentag-Wochenende: Superintendentin Kerstin Tiemann, Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer und Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen vor der Eröffnungsandacht am Freitagabend Foto: tw
OTTERNDORF tw ∙ „Zwei Jahre haben wir für gutes Wetter gebetet“, sagte Superintendentin Kerstin Tiemann mit Blick zum Himmel. „und das kommt dabei raus – 30 Grad“. Und so konnte sie am Freitag letzter Woche auch in den Abendstunden die Besucher der Eröffnungsandacht zum Elbekirchentag bei sommerlichen Temperaturen begrüßen
Die Idee eines Elbekirchentags in Otterndorf klang für Superintendentin Kerstin Tiemann am Anfang erst einmal „ein bisschen verrückt. Ein bisschen unwahrscheinlich. Und vor allem voller Fantasie“. Eine kühne Idee, wie sie befand, die am vergangenen Wochenende mit einem ambitionierten Programm über die Bühne ging. „Manchmal braucht es ein wenig Verrücktheit, um etwas Großes zu beginnen“, sagte sie auf der Seebühne. Ein Abend, an dem sie auch allen dankte, die sich mit ihr auf diesen Weg eingelassen haben.
Auf ein Wochenende, mit dem vielschichtigen Motto „Mee(h)r Blau-Töne“. Eine Farbe, die für das Wasser der Elbe, den Himmel über dem Deich und die Weite der Landschaft stehe. Und zugleich auch für das Leben. „Blau ist aber auch eine Farbe der Sehnsucht. Eine Farbe der Tiefe. Und eine Farbe des Glaubens“, betonte die Superintendentin. Und mit seiner Vielfalt an Blautönen lade das Motto dazu ein, genauer hinzusehen. „Nicht nur eine Perspektive, sondern Vielfalt. Nicht nur einfache Antworten, sondern differenziertes Denken.“
Das spiegelte sich auch in den Veranstaltungen wider, die einen weiten Bogen von spirituellen Erfahrungen hin zu gesellschaftlichen Fragen, von persönlichem Glauben hin zu globaler Verantwortung und von der stillen Andacht bis zu politischen Diskussionen spannten.
„Dieser Kirchentag ist ein Ort der Begegnung, ein Ort des Nachdenkens, ein Ort des Feierns und vielleicht auch ein Ort der Verwandlung“, sagte Tiemann. „Dass wir entdecken, wie viele Blautöne in uns und in unserer Gemeinschaft liegen. Das wir sehen, was möglich ist. Das wir Hoffnung gewinnen. Das wir uns verändern lassen.“
„Ein Elbekirchentag im Kirchenkreis Cuxhaven-Land Hadeln? Was für eine gute Idee“, befand auch Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer. Zeige das Wochenende mit seinen vielen Veranstaltungen doch, was Kirche geschafft hat, lasse aber auch Raum, Revue passieren zu lassen, was noch fehlt, so Santjer. Das Motto „Mee(h)r Blau Töne“ mache deutlich, dass die Menschen so unterschiedlich sind wie die Vielfalt der Blautöne. „Es ist ein klares Bekenntnis, den Menschen zu sagen, ihr sollt hier groß werden, ihr seid hier willkommen“, betonte er. Ein Wochenende, das zeige, „dass wir Demokratie wollen, Freiheit, eine gute Zukunft für unsere Kinder, und einen Ort, an dem wir im Alter ein würdiges Leben führen können“.
Wie gut Stadt und Kirche zusammenarbeiten hob Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen hervor. Und nannte als Beispiel das Historische Rathaus, in dem die Superintendentur – nach einem Wasserschaden in ihrer alten Heimstatt – eine neue Herberge gefunden hat.
Dass der Kirchentag „eine wunderbare Gelegenheit ist, Gott näher zu kommen“, betonte Aivars Gusevs, Pastor der Partnergemeinde Sloka in Lettland, die sich während des Kirchentags im Gemeindehaus St. Severi vorstellte.
Für die musikalische Einstimmung sorgte beim Warmup-Konzert zum Start in den Elbekirchentag die Band „Thursday Evening“. Zur Eröffnungsandacht übernahm das Bläserensemble unter Leitung von Kreiskantor Christian Müller die musikalische Umrahmung und lud nach einem gemeinsamen Umzug zur Abendserenade auf den Elbdeich.
Doch waren die Ränge am Freitagabend noch voll besetzt, blieb es am Samstag deutlich leerer. Und das lag nicht am vielseitigen Programm mit Politik- und Diakonie-Bühne mit prominent besetzten Diskussionsrunden, Glaubensimpulsen, Mitmachaktionen, Bastel- und Tanzangebote, Fotoausstellung zu „30 Jahre Partnerschaft mit Sloka“ sowie Auftritten von Chören und Bands in der Otterndorfer Altstadt und rund um Seebühne und Seelandhallen, die eindeutig mehr Besucher verdient hätten, sondern vor allem auch an den sehr heißen Temperaturen.
Temperaturen, die auch eine Steilvorlage für die Diskussion „Was wird aus einem Leben zwischen Dürre und Flut?“ waren. Zeigten die hohen Temperaturen auch in Norddeutschland, „dass der Klimawandel in unseren Breitengraden angekommen ist“, so die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Viehoff. Welche dramatischen Folgen das haben kann, zeigte Anwältin und Klimaaktivistin Yi Yi Prue aus Bangladesch auf. Herrsche in ihrem Heimatland doch eine Dürre, die dazu führe, dass Felder nicht mehr bewirtschaftet werden können, mit daraus resultierenden Ernteausfällen.
Das etwas kühlere Temperaturen die Menschen wieder nach draußen ziehen, zeigte am frühen Abend die „Blaue Tafel“, die sich auf einer Länge von 140 Metern durch die Altstadt zog. Über 200 Gäste ließen sich nieder, und kamen beim gemütlichen Essen und Trinken ins Gespräch. Unter ihnen auch Landesbischof Ralf Meister, der zu Anfang das Tischgebet sprach.
Mit dem Thema „Aus der Tiefe leben – mit Hoffnung in die Weite gehen“ fand der Elbekirchentag mit einem zentralen Festgottesdienst am Sonntag in der St. Severi-Kirche seinen Abschluss. Ein Thema, dass sich auch durch die Predigt von Regionalbischöfin Sabine Preuschoff und Superintendentin Kerstin Tiemann zog und die Gottesdienstbesucher dazu einlud, gestärkt in den Alltag zurückzukehren.
Und was bleibt von diesem Tag an der Elbe? „Vielleicht helfen uns die Blautöne, die diesen Kirchentag begleitet haben, um zu beschreiben, was bleibt“, sagt Superintendentin Kerstin Tiemann in einem Resümee. „Da ist das helle Blau der Segensdusche – die Erfahrung, dass Spiritualität nicht nur gedacht, sondern erlebt werden kann; überraschend, berührend und unmittelbar.
Da ist das tiefe Blau des Wassers und der Elbe – ein Anstoß, sorgsamer mit der Schöpfung umzugehen und Nachhaltigkeit nicht nur zu fordern, sondern im eigenen Leben einzuüben.
Da sind die vielen Schattierungen von Blau, die sich miteinander verbinden und doch ihre Eigenart behalten – ein Bild für Vielfalt und Miteinander, für eine Kirche und Gesellschaft, in der Unterschiedlichkeit nicht trennt, sondern bereichert.
Und da ist das Blau des weiten Himmels über uns – ein Zeichen für die Hoffnung, die weiter reicht als unsere Möglichkeiten, und für Gottes Zukunft, die uns entgegenkommt.“