Blick in die Ausstellung Foto: Lippok
CUXHAVEN re ∙ Mit der Ausstellung „Entheimatet“ der hannoverschen Künstlerin Inge-Rose Lippok wird die Kulturkirche Cuxhaven ab Sonntag, 31. Mai, zu einem eindrucksvollen Ort der künstlerischen Auseinandersetzung mit Krieg, Verlust, Erinnerung und der Sehnsucht nach Frieden und Heimat. Die Ausstellung wird um 15 Uhr in der Gnadenkirche in der Pommernstraße 81 mit einer Vernissage in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet.
„Entheimatet“ ist eine begehbare Rauminstallation mit Malerei, Text und szenischem Klang. Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit sind die Kriegstagebücher von Gerhard Lippok, dem Vater der Künstlerin, der als 21-jähriger Soldat im Zweiten Weltkrieg seine Erfahrungen, Gedanken und Erinnerungen festhielt. Inge-Rose Lippok übersetzt diese persönlichen Zeugnisse in einen künstlerischen Erfahrungsraum, der Besucher nicht nur informiert, sondern emotional in die Themen Krieg, Angst, Sehnsucht nach Familie, Verlust von Heimat und Hoffnung auf Frieden hineinführt.
Ein begehbarer Schützengraben bildet dabei ein zentrales Element der Installation. Die Besucher bewegen sich durch einen Raum, der Geschichte, Erinnerung und Gegenwartsfragen miteinander verbindet. Ergänzt wird die Installation durch szenischen Klang von Tatjana Prelevic, wodurch ein dichter, sinnlicher und zugleich nachdenklicher Zugang entsteht.
Gerade in einem Stadtteil wie dem Süderwisch, der stark von Vielfalt, Migration, Fluchtgeschichten und unterschiedlichen Herkunftserfahrungen geprägt ist, entfaltet „Entheimatet“ eine besondere Aktualität. Die Ausstellung öffnet einen Raum für Mitgefühl, Perspektivwechsel und gesellschaftlichen Austausch. Sie lädt dazu ein, über Krieg und Frieden, Heimat und Heimatverlust, Menschlichkeit und Verantwortung nachzudenken.
Kuratiert wird die Ausstellung mit Begleitprogramm von Niels Hertel, dem künstlerischen Leiter der Kulturkirche. Diese versteht sich als offener Ort für Begegnung, kulturelle Bildung, Teilhabe und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Die Präsentation von „Entheimatet“ führt diese Arbeit konsequent weiter und setzt zugleich einen wichtigen Akzent im Bereich Erinnerungskultur, Friedensarbeit und Demokratieförderung.
Die Ausstellung ist vom 31. Mai bis 11. Juni zu sehen. Der Besuch ist kostenfrei.
Im Anschluss an die Vernissage wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm ergänzt. Am Montag, 1. Juni, lädt Inge-Rose Lippok von 15 bis 18 Uhr zu einem offenen Workshop ein. Unter dem Leitgedanken „Gestalte aus vorhandenen Materialien Deine eigene Heimat oder Dein Refugium“ können Besucher eigene kreative Zugänge zum Thema entwickeln. Der Workshop ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Am Freitag, 5. Juni, folgt um 19 Uhr die Film- und Gesprächsveranstaltung „Zuflucht – Zuversicht – Zukunft“. Gezeigt wird der Film „Essenrode – 12 Kriegskinder erzählen“. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch und Austausch. Auch diese Veranstaltung ist kostenfrei.
Darüber hinaus bietet die Kulturkirche vormittags geführte Ausstellungsbesuche mit Mini-Workshops für Schulklassen an. Das Angebot dauert circa 90 Minuten und richtet sich insbesondere an Schüler ab Klasse 9 sowie an die Sekundarstufe II. Es eignet sich für die Fächer Geschichte, Politik, Ethik, Religion und Kunst.