Robert Oberbeck spielt zum zweiten Mal in Cadenberge Foto: Privat

CADENBERGE re ∙
Der Kulturkreis Am Dobrock e.V. freut sich, Robert Oberbeck (Foto: Privat) nach seinem fulminanten Auftritt auf der „Nacht der Lieder“ im letzten Jahr im Rahmen „Kultur in der Kurve“ nunmehr zum zweiten Mal am Freitag, 19. Juni, um 19.30 Uhr, (Einlass ab 19 Uhr), in Cadenberge „Zur Kurve” präsentieren zu können.

Wer dem merkwürdigen Beruf des politischen Liedermachers nachgeht, der kommt vermutlich kaum noch hinterher in den letzten Jahren – angesichts der schnellen Abfolge von Katastrophen, Krisen und ihren oft hässlichen Niederschlägen bis tief in die privaten Beziehungen hinein. Doch der Marburger Robert Oberbeck, der mit „Heal“ sein mittlerweile sechstes Album vorlegt, ist kein politischer Songwriter. Und das ist gut so.

Die Alltagskämpfer und Kleinstadthelden, die Zweifler, die Ausbruchssehnsüchtigen und die Rückzugsbedürftigen, von denen Oberbeck immer wieder neu erzählt: Sie sind alle auf der Suche nach ihrer eher kleinen Flucht. Sie legen Hoffnung auf ihr bisschen Heilung in das Wiedersehen mit alten Freunden oder auch darin, dass mit der Liebsten doch noch einmal alles wieder gut wird. Auch auf dem neuen Album bleiben Parolen, Anklagen, bleibt überhaupt alles Weltlagenmäßige draußen.

Musikalisch verweigern die Lieder auf kurzweilige Weise immer wieder die Eindeutigkeit: Ob sie die Finsternis dessen, wovon hier geflohen wird, orches­trieren – oder doch eher das Glück des kleinen Entkommens, mal zart, mal trotzig. Es kann passieren, dass ein Song beim ersten Hören traurig und beim zweiten hoffnungsvoll macht. Das zieht sich von den Texten bis in die Harmonien und die kleinen Seitenmelodien. Der Song „Bridge of Good Hope“, adressiert an den namenlosen alten Freund aus Jugendtagen, eigentlich ein Lied über Vergänglichkeit, wird im geraden, Tom-Petty-haften Rock-Refrain zur Hoffnungs-Hymne: Genau jetzt wäre es doch Zeit, sich wieder am alten Ort zu treffen, so viel hat sich nicht erfüllt – aber wer weiß, da geht doch noch was.

Es gibt einige Songs, in denen Oberbeck neue musikalische Formen ausprobiert. Piano-Balladen zum Beispiel suchte man bisher vergeblich auf seinen Alben: Hier begleitet Tors­ten Mihr zwei großartige. Und auch an der pandemiebedingten Explosion des Absatzes an E-Drums und Synthesizern scheint Oberbeck Anteil gehabt zu haben: In „The Wind And The Waves“ bleibt unaufgelöst, ob die unheimlichen nächtlichen Anrufe, die hier den monadischen Ich-Erzähler heimsuchen, eher bedrohen oder eher etwas verheißen. Die Band tönt ebenso wie der Text ins Sphärisch-e-Drummig-Offene und heizt mit dem Wüsten-Tremolo auf der E-Gitarre doch auf wie eine Hochsommernacht.

Karten gibt es im Vorverkauf bei Uhren Hess in Cadenberge oder unter vorverkauf@kulturkreis-amd.de für 16,50 Euro, an der Abendkasse für 19,50 Euro.