Minister Falko Mohrs zeigte sich fasziniert von den ausgestellten „Book Nooks“ in der Stadtbibliothek – Miniaturschaukästen, die einen Einblick in die literarische Welt bieten Foto: tw
CUXHAVEN tw ∙ Bei seinem Besuch am Donnerstag letzter Woche in der Stadtbibliothek Cuxhaven machte der niedersächsische Kultur- und Wissenschaftsminister Falko Mohrs eine für ihn erstaunliche Entdeckung. „Die Menschen, die aus der Stadtbibliothek rauskamen, reingingen und in ihr verweilten, waren zum großen Teil Schüler um die 15, 16 Jahre. Das ist nicht typisch“, sagte er begeistert.
Dass die Stadtbibliothek so ein gutes Standing bei den Jugendlichen hat, liege auch an Veranstaltungen wie dem Julius-Club in den Sommerferien für Schüler der 5. bis 8. Klassen, bei dem neben Bücher lesen und bewerten auch kreative Workshops, Lesungen und Ausflüge auf dem Programm stünden, sagte Bibliotheksmitarbeiterin Astrid Hebel, zuständig für die Kinder- und Jugendabteilung. „Wir zeigen das Lesen Spaß macht.“ Und das fange schon bei der einmal im Monat stattfindenden Krabbelgruppe an, in der die Kleinen ersten Kontakt mit Büchern machen können, gehe über Bilderbuchkino bis zu Führungen für Schulklassen, um nur einen kleinen Teil zu nennen. Und sie betonte: „Die Bibliothek ist für alle bis 18 Jahren kostenfrei.“
Auch allgemein ist die Stadtbibliothek die meistbesuchte Kultureinrichtung der Stadt, so Bibliotheksleiterin Stephanie Lüder. Eine Einrichtung, die mit rund 95.000 Besuchern, über 250.000 Ausleihen und einer Neuanmeldungszahl, wie es sie seit 15 Jahren nicht mehr gegeben hat, auch deutschlandweit sehr gut dastehe. Das liege unter anderem auch an den vielen Veranstaltungen, von Lesungen und Konzerten bis zum Puzzletag, einer Lesezeit nach Feierabend und vielem mehr. Rund 80 Veranstaltungen sind es im Jahr. Ein Angebot, das noch ausgebaut werden soll. Auch die Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit will das Bibliotheksteam noch intensivieren. Zudem soll das digitale Angebot ausgebaut werden.
„Es ist beeindruckend, mit welcher Motivation und Begeisterung Sie von ihrer Arbeit erzählen, wie Sie einen Ort schaffen, an dem Sie ans Lesen heranführen und wie Sie sich Gedanken machen, wie man Bibliothek neu erfinden kann“, sagte Mohrs.
Doch Stephanie Lüders machte noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam. Personell komme das Team an seine Grenzen, machte sie deutlich. „Das werden wir nicht auf Dauer durchhalten können.“
Dass stieß auch auf offene Ohren von Oberbürgermeister Uwe Santjer, der sich freute, mit dem Besuch von Kultur- und Wissenschaftsminister Falko Mohrs einmal der Fokus auf den Bereich Kultur zu legen. Denn als wachsende Stadt, brauche es nicht nur Wohnraum und eine gute Infrastruktur, sondern auch vernünftige Angebote kultureller Vielfalt, wie die Stadtbibliothek. Eine Einrichtung, hinter der auch der Rat der Stadt Cuxhaven stehe. „Die Bibliothek ist für uns gesetzt.“ Erfülle diese doch auch den Bildungsauftrag, für alle Altersgruppen etwas anzubieten.
Bei einem Rundgang lernte Mohrs nicht nur die Stadtbibliothek, sondern auch das Stadtarchiv kennen, das hier seit zehn Jahren seine Heimstatt hat. 2,5 Kilometer Archivalien mit Cuxhaven-Bezug sind hier zu finden. Im letzten Jahr gab es mit 367 schriftlichen Anfragen „so viele wie noch nie“, so der kommissarische Leiter Lars Schmidt sowie 327 Vor-Ort-Nutzungen. Aktuelles Großprojekt sei die Massenentsäuerung von Papierakten, sowie die dringende Digitalisierung der Bestände. „Hierbei müssten wir dringend personalmäßig aufstocken“, sagte er in Bezug auf mögliche Förderung Richtung Minister Mohrs.
In einem Vortrag gaben im Anschluss Dr. Hanno Schnars und Tim Strohbach von der Fraunhofer IFAM einen Einblick in den Offshore-Drone-Campus-Cuxhaven (ODCC), und rückten damit die Wissenschaft in den Mittelpunkt. Im September 2024 eröffnet, dient das ODCC als Test- und Entwicklungsinfrastruktur für unbemannte Luftfahrtsysteme zum Offshore-Einsatz, etwa bei der Inspektion und Wartung von Windkraftanlagen auf See. Die Entscheidung den Campus in Cuxhaven aus der Taufe zu heben, sei ganz bewusst gefallen, so Schnars. „Die Vorteile liegen auf der Hand“, betonte er. „Die geografische Lage direkt an der Elbe und die gute Unterstützung durch die Stadt.“ Wichtig sei dabei auch die Vernetzung mit wissenschaftlichen Partnern, wozu auch die angedachte Zukunftsakademie gehöre, und der Industrie.
Nach einem Besuch im Museum „Windstärke 10“, bei dem Falko Mohrs von Museumsleiterin Dr. Christina Wawrzinek einen Einblick in den mit Seefahrt und Fischerei wichtigen Teil der Cuxhavener Stadtgeschichte erhalten hat, ging es auf eine Fahrt durch den Hafen, die deutlich machte, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist.