Fröhliche Gesichter nach der Preisverleihung (v.l.): Stellvertretende BBS-Schulleiterin Alexandra Kuck, Koordinator für Berufliche Gymnasien Martin Schnäckel, die Preisträger Luca Hörstensmeier und Noah Steinhof (BBS), AAG-Schulleiter Wolfgang Deutschmann, Stiftungsvorsitzende Karin Lüdke, LiG-Schulleiter Martin Rehermann, sowie die Preisträger Evrykleia Douska (LiG) und Lasse Schnieders (AAG) Foto: Giesecke
CUXHAVEN hgi ∙ „Ich freue mich, dass wir an so einer großen Tafel zusammensitzen“, begrüßte Karin Lüdke als Vorsitzende des Stiftungsrates die Gewinner der Schülerpreise der GGH-Stiftung, ihre Lehrer und einige Eltern. Ebenso nahmen Gäste aus Frankreich an der Feierstunde teil: Lehrerin Patricia Vasse mit zwei Austauschschülern, Noa und Yoni aus Barentin von der Berufsschule „Lycée Professionnel Auguste Bartholdi“. „Schüler unserer Schule waren zum zweiten Mal an der Berufsschule in Barentin, mit dem Ziel, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln“, erzählte Fachlehrer Marko Schaffer. „Der Austausch wird auch in Zukunft gefördert und ist dauerhaft im Erasmus Angebot der BBS Cuxhaven implementiert und somit eine international stabile Zusammensetzung.“
2002 habe ihr Vater, Gustav Gottfried Hebold, mit ihr zusammen die GGH-Stiftung anlässlich seines 65. Abiturjubiläums mit dem Betrag von 15.000 Euro gegründet, so Karin Lüdke. Dem Stiftungsrat gehören die Tochter Maren Beselin, geborene Lüdke, als Stellvertreterin, und Oberbürgermeister Uwe Santjer für die Stadt Cuxhaven an. Beide wurden von Karin Lüdke vertreten. Sie dankte dem Hausherrn, Wolfgang Deutschmann, für die Vorbereitung des Nachmittags mit der gemütlichen Kaffeetafel. Die jährliche Preisverleihung findet im Kreislauf statt, mal im Lichtenberg-Gymnasium (LiG), mal in den Berufsbildenden Schulen und in diesem Jahr im Amandus-Abendroth-Gymnasium Cuxhaven (AAG).
Der Schülerpreis zur Förderung von besonderen schulischen Leistungen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern wird jährlich an Verfasserinnen oder Verfasser der drei besten Facharbeiten aus dem Aufgabenfeld C (Mathematik, Physik, Technik, Chemie, Biologie, Informatik) vom Amandus-Abendroth-Gymnasium, Lichtenberg-Gymnasium und den Berufsbildenden Schulen mit je einer Prämie von 300 Euro vergeben.
Ihr Vater habe diese Schule besucht, die zu der Zeit als Höhere Staatsschule noch zu der Stadt Hamburg gehört habe, sagte Lüdke. Sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen, übte zeitlebens einen großen Anreiz auf ihn aus und Technik faszinierte ihn sehr. Sein Studium an der TU Berlin konnte er wegen des Krieges nicht beenden und später wurde er im elterlichen Betrieb gebraucht.
Ein Vierteljahrhundert hat diese Verbrauchsstiftung Schülerinnen und Schüler, die vom Schulleiter und Fachlehrer ausgewählt wurden, mit einem Preis ausgezeichnet. „Zu diesem Jubiläum wird es die letzte Auszeichnung geben, da ohne Zinsen, die es nicht mehr gibt, das Geld fast aufgebraucht ist. Der Restbetrag, kommt allen drei Schulen zugute“, gab die Stiftungsvorsitzende bekannt. „Gut Ding will nicht nur Weile, sondern auch mal ein Ende haben.“
Die GGH-Stiftung akzeptiert die Vorschläge der Schulleiter und Fachlehrer gerne, und Karin Lüdke hatte sich im Vorfeld mit den ausgewählten Facharbeiten beschäftigt und durchaus einen Eindruck und eine Meinung dazu gebildet. Sie lobte die Preisträger und ermutigte sie, alle Aufgaben, die das Leben stellt, anzugehen, auch wenn es nicht immer eine gute Belohnung gibt.
Von den BBS, Berufliches Gymnasium Technik, sind als Team Noah Steinhof und Luca Hörstensmeier die diesjährigen Preisträger. Ihr Thema „Entwicklung eines solarbetriebenen, selbstfahrenden Fahrzeugs mit Arduino-Mikrocontroller“ wurde im Fach Mechatronik bei Rolf Janovsky umgesetzt. Das gemeinsam gebaute Fahrzeug, das mittels App ferngesteuert fährt und automatisch Hindernisse erkennt, wurde in fünf Monaten fertiggestellt. „Luca war hauptsächlich der Ideengeber und ich kümmerte mich um die Technik“, erzählte Noah.
„Bei Problemen musste man manchmal bis in die Nacht tüfteln oder auch mal eine Nacht darüber schlafen.“ „Mit Geduld, Freude und Begeisterung an dem Projekt haben wir uns gut ergänzt“, fügte Noah hinzu. In ihrer sehr gut verständlichen schriftlichen Ausarbeitung erfährt der Leser anhand klar formulierter Texte, vieler Abbildungen und Tabellen alles über die eigens programmierten Steuerungsbefehle, die integrierte Sensortechnik und die Stromversorgung der beiden Motoren für Antrieb und Lenkung. Noah und Luca zeigen auch ihre CAD-Skizzen für das nicht unproblematische 3D-Druckverfahren, mit dem sie erforderliche Sonderbauteile für ihr kleines gebrauchtes LEGO-Technik-Auto gefertigt haben. Außer der Motorisierung statteten sie das Fahrzeug mit Scheinwerfern, Bremslichtern und Blinkern aus und ließen die Anwesenden an einer kleinen Probefahrt teilnehmen.
Die Preisträgerin Evrykleia Douska vom LiG hat sich im MINT-Kurs am AAG bei Lisa Behrens mit dem Thema „Algen im Klimawandel – eine unterschätzte Bedrohung für marine Ökosysteme“ beschäftigt. Beispiele sind das große Fischsterben im Golf von Mexiko oder in der Oder durch Sauerstoffmangel und Toxine, die absterbende Algen absondern. Evrykleia belegt in ihrer Arbeit, dass menschengemachte Einflüsse den nachteiligen Wandel der marinen Umwelt hervorgerufen haben, und weist darauf hin, dass dringend Abhilfe zur Rettung des Ökosystems geschaffen werden muss, zum Beispiel weniger Einleitung von Düngestickstoff aus der Landwirtschaft.
Lasse Schnieders nahm ebenfalls am Seminarfach des naturwissenschaftlichen Profils bei Lisa Behrens am AAG teil. Sein Thema: „Klimaschutz und Wirtschaftswachstum. Partnerschaft oder Paradox?“ befasste sich mit dem globalen Klimawandel aus volkswirtschaftlicher und politisch-philosophischer Sicht. Anhand von mathematischen Formeln und Grafiken prüfte er unter anderem, ob und wie sich die beiden Ziele Wirtschaftswachstum einerseits und Begrenzung umweltschädlicher Emissionen andererseits miteinander in Einklang bringen lassen könnten. Er kam zu dem Schluss, nach Prüfung von Methoden der „green economy“, dass nur globaler Verzicht auf Wachstum bei allen wirtschaftlichen Tätigkeiten die Erderwärmung nachhaltig ausbremsen könnte. Lasse sieht allerdings keine Chancen auf eine gesellschaftlich verträgliche Umsetzung von Rückgangstheorien der Wissenschaften zur Verhinderung der Klimakatastrophe.
Karin Lüdke gratulierte den Preisträgern mit einer Urkunde und betonte, dass sie als Vorsitzende der GGH-Stiftung an der Vorbereitung und Verleihung der Preise immer große Freude hatte. In den 25 Jahren hat sie 118 junge Leute getroffen, denen sie einen Preis überreichen konnte.