Beim Organisationstreffen am Mittwoch letzter Woche war es nur ein symbolisches ziehen am Rhododendron, am 15. August hofft das Organisationsteam auf viele helfende Hände, die unter dem Motto „Demokratie zieht“ gemeinsam einen Laster bewegen Foto: tw

HEMMOOR tw ∙
„Komm vorbei, zieh mit und setz ein Zeichen für unsere Demokratie.“ Unter diesem Motto lädt ein Zusammenschluss Hemmoorer Bürger am Samstag, 15. August, von 17.15 bis 19.15 Uhr zu einem Fest für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt ein.

Das Motto ist dabei wortwörtlich zu nehmen. Denn an diesem Tag wird in der Zentrumstraße ein großer Laster durch Menschenhände gezogen, „um zu zeigen, dass wir etwas Positives bewegen wollen“, sagt Bengta Brettschneider vom Organisationsteam. Deshalb hoffen sie und ihre Mitstreiter auf viele Besucher die tatkräftig mithelfen den Lkw zu ziehen. Musikalisch begleitet wird das „Zug-Team“ von Popkantor Valentin Behr, der vom Laster aus Lieder wie „Imagine“ und „We shall overcome“ spielt und sich schon darauf freut, wenn möglichst viele mitsingen.

Bespannt wird der Lkw – der sich gegen 18.45 Uhr in Bewegung setzen soll – mit Bannern, die vorher von den Besuchern mit ihren Ideen, Gedanken und Wünschen für eine gelebte Demokratie, für Zusammenhalt und Menschenwürde bemalt und beschriftet werden können – als sichtbares Symbol, dass viele Menschen in Hemmoor bereit sind, sich für demokratische Werte einzusetzen. Zudem gibt es auf der „Meile der Demokratie“ weitere Mitmachaktionen für Groß und Klein wie etwa eine Modenschau vom „Stoffwechsel“ des Paritätischen Cuxhaven sowie Raum für Begegnungen, Gespräche und Austausch.

„Demokratie lebt nicht von Worten – sie lebt davon, dass wir sie jeden Tag gemeinsam verteidigen und gestalten. Genau deshalb ist das Fest der Demokratie in Hemmoor unter dem Motto ‚Demokratie zieht‘ so wichtig“, sagt Frank Struß vom Bündnis für Respekt und Menschenwürde e.V..

Das überparteiliche Bündnis war sofort bereit, das Fest als offizieller Veranstalter zu unterstützen. Die Idee zum Demokratie-Fest entstand beim „D.A.S. Stadtgespräch“ für Hemmoorer Bürgerinnen und Bürger – D.A.S. steht dabei für Dialog, Aktiv und Stärken. Das neue Format hat das Ziel die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsam Ideen für das Zusammenleben in Hemmoor auszutauschen und konstruktiv an Lösungen zu arbeiten.

„Mir bereitet der Rechtsruck bei uns Sorgen“, sagt Bengta Brettschneider vom Organisationsteam. Ein Thema, das sie und ihre Mitstreiter eint, und das Mitte Juni zum Beteiligungsformat „D.A.S.Stadtgespräch“ führte. Es ist eine bunte Mischung aus Privatpersonen, Vereinen und Organisationen, die sich beim Gesprächsformat beteiligen. Unter anderem sind die Ev. Kirchengemeinde, der Seniorenbeirat Hemmoor, der ver.di-Ortsverband Cuxhaven, die „Omas gegen Rechts“ und der Kulturyard mit dabei. Für sie heißt gelebte Demokratie, dass die Gesellschaft offen für alle Menschen sein muss und niemanden ausschließt, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Alter.

Die Gruppe versteht sich ausdrücklich weder als feste Organisation noch als Partei oder Wahlveranstaltung. Vielmehr soll sie eine offene Plattform für Menschen aus Hemmoor und Umgebung sein, die sich auf Grundlage eines gemeinsamen demokratischen Verständnisses für das gesellschaftliche Miteinander vor Ort einsetzen wollen. Maßstab für die Treffen ist ein fairer und respektvoller Austausch auf Grundlage der Hemmoorer Erklärung.

„Wir wollten rechtzeitig vor der Wahl etwas machen, und sind mit dem ‚Stadtgespräch‘ in Kontakt getreten“, sagt Birte Zöllner vom Culturkreis Hemmoor. „Wir leben im Verein Demokratie“, sagt sie. Aber auch ganz persönlich ist es ihr wichtig in einer Gesellschaft zu leben, die alle mitnimmt. Das sieht auch Anke Wegner vom SC Hemmoor so. „Wir sind eine Miteinander-Stadt, das sagt schon, dass Demokratie gelebt wird.“ „Ich komme von hier und will das nicht aufgeben“, bestätigt Julia Patjens, denn auch wenn sie politisch neutral sei, „werteneutal bin ich nicht“.

Auch Jens Wilhelmi vom Seniorenbeirat der Samtgemeinde Hemmoor betont: „Wir sind parteipolitisch neutral, aber wir stehen ganz klar für die Demokratie ein. Deshalb ist es uns wichtig dabei zu sein.“ Politisch schon immer interessiert treibt auch Ortsheimatpfleger Tjark Petrich um, was im Land passiert. Der Einsatz für Demokratie ist für ihn eine Selbstverständlichkeit auch im Hinblick auf seine Familie und die Zukunft seiner Kinder und Enkelkinder und er betont: „Das Grundgesetz gibt es nicht zum Spaß.“

Was ein extremer Rechtsruck bedeuten kann, weiß Diakonin Ruth Wiarda nur zu gut, ist sie im letzten Jahr doch aus Brandenburg in den Landkreis gezogen. „Ich möchte nicht, dass es hier so weit kommt wie in Bandenburg“, sagt sie. Für sie ist es deshalb wichtig für die Demokratie Gesicht zu zeigen, privat aber auch im Namen der Kirche.

Sigrid Beyers Engagement gilt vor allem ihrer Familie. „Sie sollen in einer lebenswerten Welt leben.“ Deshalb ist es ihr wichtig bewusst zu machen, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Und es dabei auch darum geht, andere Meinung auszuhalten und zu diskutieren, aber nicht zu diffamieren.

Jetzt erhoffen sich alle Beteiligten viel Manpower, die beweist „Demokratie zieht“. „Wir wollen ein klares Zeichen setzen: Hemmoor steht für Demokratie, Freiheit, Vielfalt und Respekt. Wir stehen zusammen für eine offene Gesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz hat – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensweise“, betont Frank Struß und fügt hinzu: „Wer Hass, Hetze und Ausgrenzung verbreitet, greift die Grundwerte unserer Demokratie an. Solchen Äußerungen aus der rechten Szene treten wir entschlossen entgegen. Mit diesem Fest zeigen wir gemeinsam mit vielen Bürgerinnen und Bürgern, dass die überwältigende Mehrheit für Zusammenhalt statt Spaltung, für Menschlichkeit statt Hass und für Demokratie statt Extremismus steht. Und genau diese Haltung zeigen wir an diesem Tag.“