Fröhliche Gesichter bei der Preisverleihung: Fachlehrer und Fachlehrerinnen, Schulseelsorger, Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassen, Jurymitglieder und die stellvertretende Schulleiterin Alexandra Kuck (2.v.r.), die sich im Namen der Schulleitung für das Engagement aller Beteiligten bedankt Foto: Privat
CUXHAVEN re ∙ Ein umgestürzter Baum wurde zum Ausgangspunkt eines außergewöhnlichen Projekts: Die Berufsbildenden Schulen Cuxhaven haben den jüdischen Friedhof im Brockeswald instandgesetzt, seine Geschichte aufgearbeitet und digital dokumentiert. Für dieses klassenübergreifende Engagement wurde die Einrichtung mit dem ersten Preis des Eco-Preises Elbe-Weser in der Kategorie „Soziales“ ausgezeichnet. Der vom „ZE – Zentrum für Entrepreneurship“ der Privaten Hochschule Göttingen vergebene Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.
Angestoßen wurde das Projekt durch Rabbiner Jona Simon, der im Auftrag des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden rund 220 verwaiste jüdische Friedhöfe in Niedersachsen betreut. Nachdem ein Sturm den Zaun des Friedhofs beschädigt hatte, entstand die Idee, nicht nur kurzfristig zu helfen, sondern Verantwortung nachhaltig zu übernehmen. Über Kontakte des Präventionsteams der Polizei und durch die Koordination an der BBS Cuxhaven kamen Schule, Religionsunterricht und externe Partner schnell zusammen.
Beteiligt waren zahlreiche Klassen und Lehrkräfte: Eine Berufseinstiegsklasse Holz reparierte den beschädigten Zaun, während eine Berufseinstiegsklasse Gartenbau das Gelände pflegte, Moos entfernte und den Bewuchs zurückschnitt. Andere Klassen sammelten Pfandflaschen und Dosen und erwirtschafteten so rund 500 Euro für Materialkosten.
Parallel dazu begleitete eine Mediengestalterklasse das Projekt fotografisch und journalistisch. In einem Interview mit Rabbiner Jona Simon setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung jüdischer Friedhöfe auseinander. Im Religionsunterricht, begleitet von Schulpastor Dr. Lutz Meyer, vertieften sie sich zudem in die Geschichte jüdischen Lebens in Cuxhaven seit dem 18. Jahrhundert. Aktuell entsteht eine digitale audiovisuelle Führung, die insbesondere an das jüdische Leben und Leiden während der nationalsozialistischen Verfolgung erinnert.
Erinnerungsarbeit als kirchlicher Auftrag
Der jüdische Friedhof im Brockeswald geht auf das Jahr 1754 zurück. Damals erhielt Nathan Abraham die Genehmigung, seine Tochter außerhalb von Ritzebüttel zu bestatten. Rund 60 Grabsteine aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zeugen bis heute von jüdischem Leben in der Region.
Gerade diese Verbindung aus praktischer Arbeit, historischer Bildung und ethischer Reflexion macht das Projekt so besonders. Hier wird deutlich, wie kirchliche Bildungsarbeit wirkt: Sie schafft Räume für Verantwortung, Erinnerung und Begegnung – mitten im schulischen Alltag.
Bei der Preisverleihung hob die stellvertretende Schulleiterin Alexandra Kuck die Bedeutung des Projekts für die Demokratiebildung hervor. Die Schülerinnen und Schüler hätten gezeigt, wie Erinnerungskultur, Respekt und Solidarität konkret gelebt werden können.
Das Projekt der BBS Cuxhaven ist damit nicht nur ein preisgekröntes Schulprojekt, sondern auch ein Beispiel dafür, wo Kirche wirkt: im Religionsunterricht, in der Begleitung junger Menschen und im gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde, Verständigung und Verantwortung.