Im Unikat trafen – moderiert von Johanna Reusch – zwei Politikergeneration auf der Bühne zusammen und nutzten dies für grünen Wahlkampf Foto: sh
CUXHAVEN sh ∙ Oft ist die Rede von der Zeitenwende. Für die Grünen bedeutet der aktuelle Wahlkampf tatsächlich eine Zeitenwende. Der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Stefan Wenzel kandidiert nicht erneut. Stattdessen tritt mit Christopher Jesse ein wahrlich junger Politiker zur Wahl an. Mit seinen 22 Jahren noch richtig jung, aber nichtsdestotrotz schon mit einiger politischen Erfahrung.
Mit 18 Jahren zog Christopher Jesse im November 2021 als damals jüngstes Mitglied in den Kreistag Cuxhaven ein. Gewählt von einer Wählerschaft, die ihn als Streiter für die Fridays for Future-Bewegung kennengelernt hatten.
Als Verwaltungsfachwirt kennt er bürokratische Hindernisse nur zu gut
Im Kreistag ist er in der Fraktion der Grünen für die Bereiche Personal, Hochbau und für das Ordnungswesen zuständig. Kein Zufall, hat er doch im letzten Jahr seine Ausbildung als Verwaltungsfachwirt beim Landkreis erfolgreich abgeschlossen. Im steht nun die „gehobene Beamtenlaufbahn” offen. Sollte es mit dem Bundestagsmandat nichts werden, wird er sicherlich Cuxhavens Politik weiter begleiten.
Auf der Podiumsveranstaltung erklärte er – sicherlich zum wiederholten Male – warum er als sehr junger Politiker sich „dieses Geschäft antun wolle“. „Einer der ausschlaggebenden Punkte in die Politik zu gehen, war für mich das Thema Borkum und die vor der Insel durchgeführten Gasbohrungen”, erklärte Jesse. „Ich kann es nicht begreifen, dass es genehmigt worden ist, dass man mitten im Naturschutzgebiet Wattenmeer vor Borkum nach Gas bohren durfte.”
Ihn ärgert, dass durch den Ukrainekrieg und dem Krieg im Nahen Osten der Blick auf und die Auseinandersetzung mit dem Thema Klima an Bedeutung verloren habe. Schließlich wüssten gerade die Cuxländer, wie abhängig die Menschen vom Meer und intakten Ökosystemen seien. Natürlich kritisierte Jesse auch die Elbvertiefung mit deren Folgen für das Wattenmeer.
Als Verwaltungsfachwirt interessiert sich Christopher Jesse besonders für die Finanzausstattung der Kommunen. „Es ist wichtig, im Wahlkampf dafür zu kämpfen die Schuldenbremse so zu lockern, dass wieder Investitionen in die Lebensgrundlagen möglich sind“ – und meint damit insbesondere die Infrastruktur.
Der eine startet, der andere sagt leise Servus
Mit Stefan Wenzel verliert das Cuxland einen seiner größten und einflussreichsten grünen Unterstützer. Der, wie er selbst erzählte, eher durch Zufall in der Politik gelandet ist. Als er nämlich während seines Studiums auf einer Reise in Südamerika erfuhr, dass noch dringend Kandidaten für den Göttinger Kreistag gesucht würden, konnte er mit dem Argument „Du wirst eh nicht gewählt“ überzeugt werden, anzutreten. Doch er wurde gewählt und fand sich zu seinem Erstaunen in der Kommunalpolitik wieder. Seine Stationen führten über die kommunalen Anfänge in die Landespolitik als Landtagabgeordneter und Landesminister bis hin in die Bundespolitik, wo er im Wirtschaftsministerium als Parlamentarischer Staatssekretär zuletzt tätig war und ist.
Doch nun scheint es zu reichen und gerne macht er jüngeren Politikern Platz. Es darf erwartet werden, dass es keine ganz ruhige Zeit in Zukunft für ihn wird, bleibt er doch zumindest in der kommunalen Politik am Ball. Zu drängend und zu dringlich sind für ihn die Themen Klima, Umwelt und wirtschaftliche Entwicklung, vermittelte er den Eindruck bei der Podiumsdiskussion im Unikat.