Frank Lütt von der CN/NEZ-Redaktion begrüßte die Teilnehmer der Mahnwache Foto: tw
CUXHAVEN tw ∙ Mit dicken Jacken und Mänteln, eingehüllt in Mütze, Schal und Handschuhe – die Teilnehmer der Mahnwache für die Pressefreiheit vor dem Verlagshaus der Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft hatten sich gut gegen die frostige Kälte geschützt. Einer Kälte, die fast symbolhaft sei, da sich diese Kälte auch in der Gesellschaft immer breiter mache, wie Oberbürgermeister Uwe Santjer in seiner Ansprache deutlich machte.
Anlass war die Berichterstattung über eine Mitgliederversammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln durch einen Redakteur der Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe Zeitung. Ein Bericht, in dem er auf den Auftritt des oft als rechtspopulistisch eingestuften Influencers Anthony Lee einging. Die Reaktionen darauf gipfelten in einem anonymen Brief, in dem der Redakteur direkt bedroht wurde.
Vor diesem Hintergrund zeigten sich die „Omas gegen Rechts“ und das „Bündnis für Respekt und Menschenwürde“ solidarisch und riefen zur Mahnwache auf. Ein Aufruf, dem am vergangenen Samstag rund 250 Menschen folgten.
„Diese ganzen Verschwörungsideologien haben in Cuxhaven keinen Platz“, sagte Santjer und betonte: „Wir stehen solidarisch zusammen.“ Denn es sei wichtig, sich nicht wegzuducken angesichts einer deutlichen Zunahme verbaler Entgleisungen und Anfeindungen nicht nur gegen Journalisten, sondern auch gegen Politiker, Erzieher, Feuerwehrleute, Polizisten und vielen mehr. Er zeigte aber auch auf, dass wir alle ein bisschen abrüsten, sensibler im Umgang miteinander sein sollten. Zudem ging er auf den Wert der Heimatzeitung als eine feste Säule im Meinungsbild ein, „mit Informationen, auf die wir uns verlassen können“, gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl an Desinformationen und Fake News in Sozialen Medien.
Gewerkschafter Gunnar Wegener stellte den Wert der Demokratie in den Mittelpunkt, und betonte, wie wichtig es ist, dass sich jeder immer wieder die Frage stellt: „Was habe ich für die Demokratie getan?“.
Neben Vertretern aus der Politik waren auch verschiedene Initiativen und Verbände vor Ort, um ihre Solidarität zu zeigen. So auch das Landvolk Wesermünde, deren Vorsitzender Jan Heusmann sich mit seinen Kollegen auf die Seite des bedrohten Redakteurs stellte.
Zum Abschluss ergriff Frank Struß für das „Bündnis für Respekt und Menschenwürde“ das Wort. „Wer auf journalistische Äußerungen mit Beschimpfungen und Drohungen reagiert, überschreitet eine Grenze“, sagte er und fügt hinzu: „Schweigen und wegsehen sind keine neutrale Haltung. Wenn wir zulassen, dass Drohungen, Hetze und Einschüchterungen den öffentlichen Diskurs bestimmen, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie machen.“ Und machte damit deutlich, wie wichtig es ist, sich offen zur Demokratie zu bekennen und gegen ihre Feinde aufzustehen.
Aussagen, denen die Teilnehmer der Mahnwache mit anhaltendem Beifall zustimmten.