Kursleiterin Ellen Tiedemann-Bartsch und Projektleiter Chris­tian Kücks stellten die Arbeiten der Kunstgruppe vor   Fotos: tw

CUXHAVEN tw ∙ Der Alltag im Gefängnis ist genau durchgetaktet und straff organisiert. Großen Platz für Individualität gibt es nicht. An der JVA Bremervörde bringt seit fünf Jahren die wöchentlich stattfindende Kunstgruppe unter Anleitung von Künstlerin Ellen Tiedemann-Bartsch etwas Abwechslung in den reglementierten Alltag.
Einige der Bilder, die dabei entstanden sind, sind ab dem morgigen Sonntag, 8. September, in der Ausstellung „Ich sehe Dich – Kunst im Knast“ im Schloss Ritzebüttel zu sehen. Die Eröffnung findet um 11 Uhr statt.

„Das Projekt ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Resozialisierung“, wie Projektleiter Christian ­Kücks von der Ländliche Erwachsenenbildung“ (LEB) – seit 2013 privater Partner der Justizvollzugsanstalt Bremervörde – betont. Helfe der Kurs doch, sich im normalen Leben wieder zurechtzufinden. „Kunst verfeinert den Charakter“, so Tiedemann-Bartsch, nicht im Sinne von verbessern, sondern er stärke die Wahrnehmung und Beobachtung, führe zu besseren Empfindungen. Und die Teilnehmer fühlten sich wahrgenommen, könnten sich einbringen und es entständen auch tiefergehende Gespräche. „Und die Kunst hilft, eigene Grenzen zu überspringen und sich auf neues einzulassen“, so Kücks.

Unter der professionellen Anleitung von Ellen Tiedemann-Bartsch können die Teilnehmer selbst entscheiden, was sie malen oder zeichnen wollen. „Wir sprechen aber auch über Grundlagen der Bildgestaltung, über Maltechniken alter Meis­ter und machen Bildbesprechungen.“ Durch die künstlerische Beschäftigung bekämen die Inhaftierten so einen Anstoß, das eigene Verhalten zu reflektieren und Antworten zu finden.
Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober zu sehen.