Eine Szene aus dem Film „Ein Tag ohne Frauen“ Foto: riseandshinecinema

OTTERNDORF re ∙ Aus Anlass des Weltfrauentags am 8. März zeigen Kino Lichtblick Otterndorf, die Hadler Gleichstellungsbeauftragte Julia Schiller und Soroptimist International Deutschland Club Cuxhaven Stadt und Land, in einer Gemeinschaftsveranstaltung am Mittwoch, 11. März, um 19.30 Uhr die unterhaltsame Filmdokumentation zum Thema Gleichberechtigung „Ein Tag ohne Frauen“ in der Stadtscheune Otterndorf.

Der 24. Oktober 1975 markierte für Island eine his­torische Wende. Initiiert von einem Verbund von Frauenorganisationen nahmen sich 90 Prozent der Frauen an diesem Tag „frei“. Sie gingen nicht ins Büro, in die Fabrik oder auf die Felder; Supermärk­te und Banken blieben geschlossen. Und selbst auf See legten Frauen ihre Arbeit nieder. Die Kinderbetreuung und der Haushalt wurden an ebenso überraschte wie häufig überforderte Väter übergeben. Das einende Ziel der Frauen: Auf die Wichtigkeit der weiblichen Arbeit hinzuweisen. Hierzu versammelten sich tausende Isländerinnen auf dem Laekjartorg-Platz in Reykjavik und machten damit einen wichtigen Schritt in eine gleichberechtigtere Zukunft. Mit ihrer Dokumentation vollzieht Regisseurin Pamela Hogan die Geschichte dieses einzigartigen historischen Ereignisses filmisch nach.

Wenn man zum ersten Mal von diesem Film und Ereignis hört, ist da zunächst Verwunderung: Da gehen fast alle Frauen eines ganzen Landes in Streik (offiziell „Ruhetag“) und man hat noch nie davon gehört? Heute gilt Island als führend in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Nur fünf Jahre nach dem historischen 24. Oktober wurde dort die erste Frau zur Präsidentin gewählt. Die Erste weltweit. Und das World Economic Forum führt Island seit 15 Jahren als das Land mit dem geringsten Gender Gap unter allen Ländern der Welt auf.

Die Frauenbewegung ist heute global vernetzter als je zuvor, was Bewegungen wie #MeToo oder die Solidarisierung mit Frauen im Iran nach dem Mord an Jina Mahsa Amini zeigen. Andererseits geraten Frauenrechte auch wieder zunehmend in Gefahr oder werden gar abgeschafft, wie das Abtreibungsrecht in den USA. Frauenfeindliche Straftaten nehmen auch in Deutschland zu. Da kommt man nicht umhin sich angesichts der Entwicklung in Island seit dem historischen Frauenruhetag zu fragen: Wie ist es dazu gekommen? Warum hat das funktioniert? Und können wir uns von diesem besonderen Tag auf dem kleinen Inselchen vielleicht auch heute noch etwas abgucken?

Regisseurin Pamela ­Hogan und Produzentin Hrafnhildur Gunnarsdóttir ist es außerdem gelungen eine potentielle Schwäche des Films ins Gegenteil zu verkehren. Denn das historische Filmmaterial vom 24. Oktober 1975 umfasste nur 15 Minuten und kommt von daher erst im letzten Filmdrittel zum Einsatz. In den ersten beiden Dritteln werden die Interviews mit statischen Fotos statt Filmausschnitten ergänzt.

Allerdings werden durch einen besonderen Kniff die Erzählungen der Interviewpartnerinnen mit verspielten Animationen bebildert und dadurch kreativ erweitert.
Mit dieser Mischung aus einem historischen Ereignis mit aktueller Relevanz, einer Vielzahl an interessanten Persönlichkeiten und dem Verweben von Interviews, historischem Bild- und Filmmaterial ist dem Filmteam eine sehenswerte Dokumentation gelungen.

Auch wenn die Frage, warum nun ausgerechnet Island diesen Moment herbeiführen konnte, letztendlich offen bleibt, geht man bestärkt und inspiriert aus dem Kinosaal. Denn – so wird es auch in „Ein Tag ohne Frauen“ festgestellt – der Kampf um Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorbei. Karten-Vorbestellung unter (04751) 47 00.

Der Erlös der Gemeinschaftsveranstaltung geht an die Aktion „Cuxland Leseschatz“, einer Kooperation des Soroptimist International Deutschland Clubs Cuxhaven Stadt und mit der Fahrbücherei des Landkreises Cuxhaven unter der Leitung von Katrin Toetzke. Diese seit vielen Jahren laufende Aktion zur Förderung des Lesevermögens von Grundschülern der 1. bis 4. Klassen im Landkreis Cuxhaven wird Katrin Toetzke selbst vorstellen. Spenden sind willkommen.