„Capella de la Torre“ zählt zu den international renommierten Formationen für Bläsermusik der frühen Neuzeit. Ihr Auftritt ist ein Höhepunkt im kirchenmusikalischen Jahr von St. Gertrud Foto: Privat

CUXHAVEN re ∙ Wenn am Sonntag, 8. November, um 17 Uhr in der St.-Gertrud-Kirche Cuxhaven die ersten Töne erklingen, dann öffnet sich ein Klangfenster in eine der glanzvollsten Epochen der englischen Geschichte: das Elisabethanische Zeitalter. Das international renommierte Ensemble „Capella de la Torre“ präsentiert im Rahmen der Konzertreihe „Renaissancemusik an Elbe und Weser 2026“ sein Programm „Love’s Secret – Musik um Elisabeth I.“ und lädt zu einer musikalischen Begegnung mit einer Königin, deren Name bis heute für Macht, Kultur und politische Klugheit steht.

Das Konzert ist Teil des übergreifenden Projekts „The Power of Female Art – The Art of Female Power“, in dem „Capella de la Torre“ starken Frauenfiguren der Renaissance nachspürt. Im Zentrum steht dabei nicht nur Elisabeth I. als historische Persönlichkeit, sondern auch die Frage, wie weibliche Macht in Kunst, Musik und gesellschaftlichem Leben hörbar wird.

Elisabeth I., oft als „The Virgin Queen“ bezeichnet, wurde 1533 als Tochter Heinrichs VIII. und seiner zweiten Ehefrau Anne Boleyn geboren. Von 1558 bis zu ihrem Tod im Jahr 1603 regierte sie England und Irland. Ihre rund 45-jährige Herrschaft ging als Elisa­bethanisches Zeitalter in die Geschichte ein – eine Zeit außergewöhnlicher politischer Stabilität, künstlerischer Entfaltung und wissenschaftlicher Neugier.

Unter ihrer Regentschaft entstanden Werke, die die europäische Kultur bis heute prägen: William Shakespeare, Christopher Marlowe und Ben Jonson veränderten das englische Theater, während Komponisten wie John Dowland, Thomas Ravenscroft, Anthony Holborne und William Byrd eine Musikwelt schufen, die zwischen höfischer Eleganz, tiefer Melancholie, religiöser Innerlichkeit und volkstümlicher Lebensfreude oszilliert.

Genau diese Vielfalt macht das Programm „Love’s Secret“ erlebbar. Es versammelt Musik vom englischen Hof ebenso wie Volksmusik des 16. Jahrhunderts und verbindet zwei Welten, die in der Renaissance oft näher beieinander lagen, als man heute vermuten möchte: die raffinierte Kunst der Königsresidenz und die lebendige Klangkultur des Volkes.
Auf dem Programm stehen ausgewählte Werke von John Dowland, Thomas Ravenscroft, Anthony Holborne und William Byrd. Besonders John Dowland gilt als eine der faszinierendsten Komponistengestalten seiner Zeit: Seine Lieder und Instrumentalstücke kreisen häufig um Liebe, Sehnsucht, Verlust und die verborgenen Regungen des Herzens – Themen, die dem Titel „Love’s Secret“ ihre poetische Tiefe geben.

Daneben eröffnen Ravens­croft, Holborne und Byrd unterschiedliche Klangperspektiven auf das England des 16. Jahrhunderts: von tänzerisch belebten Sätzen über kunstvolle Instrumentalmusik bis zu geistlich geprägten Kompositionen. So entsteht kein musealer Rückblick, sondern ein lebendiges Porträt einer Epoche, in der Musik zugleich Unterhaltung, politische Selbstdarstellung, religiöser Ausdruck und emotionale Sprache war.

Mit ausdrucksstarkem Gesang und farbenreicher Bläsermusik lässt „Capella de la Torre“ diese Welt unmittelbar hörbar werden. Historische Instrumente, sorgfältig erarbeitete Aufführungs­praxis und eine hohe Bühnenpräsenz machen die Musik nicht nur verständlich, sondern sinnlich erfahrbar.

Die Mitwirkenden an diesem Abend sind Margaret Hunter, Sopran, „Capella de la Torre“ und Katharina Bäuml, Schalmei und musikalische Leitung. Gemeinsam zeichnen sie ein Klangbild, das Elisabeth I. nicht nur als historische Figur, sondern als musikalische Inspiration erlebbar macht.

Die Konzertreihe „Renaissancemusik an Elbe und Weser“ wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der Stiftung Niedersachsen. Karten sind ab 16 Uhr an der Abendkasse der St. Gertrud-Kirche Cuxhaven erhältlich.