Jetzt sind die „Kreuze ohne Haken“ wieder da. Darüber freuen sich (v.l.) Karin Ottens-Spargel und Doris Henningson vom Bündnis „Omas gegen Rechts“ aus Cuxhaven sowie Pastor Axel Scholz, die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Hilke Sackmann-Söhle und Pastorin Franziska May Foto: Schoener
OTTERNDORF as ∙ Der Ärger war groß – die Freude ist es nun umso mehr: Ein Jahr nachdem unbekannte Vandalen die „Kreuze ohne Haken“ an der St.-Severi-Kirche in Otterndorf beschmiert hatten, sind sie wieder sichtbar. Frisch gereinigt und neu gestaltet, setzen die drei Kreuze erneut ein Zeichen für Menschenfreundlichkeit, Respekt und Vielfalt.
Die mutwillige Beschädigung hatte Pastorin Franziska May, Pastor Axel Scholz und den gesamten Kirchenvorstand tief getroffen. Sie verstanden sie als Angriff auf eine Überzeugung, die zum Kern kirchlichen Handelns gehört: allen Menschen ohne Vorurteile und mit Achtung zu begegnen und für eine offene Gesellschaft einzustehen.
Die bundesweite Initiative „Kreuze ohne Haken“ setzt seit Jahren ein sichtbares Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und findet inzwischen an vielen Orten Nachahmer.
Karin Ottens-Spargel und Doris Henningson vom Cuxhavener Bündnis „Omas gegen Rechts“ haben die verschmierten Kreuze abgeschliffen und mit frischer Farbe neugestaltet. „Kirche muss sich auch klar positionieren“, unterstreicht Karin Ottens-Spargel die Bedeutung der Aktion. „Es geht um Menschenwürde“, ergänzt Doris Henningson.
„Jesus war Jude und musste schon als Kind mit seinen Eltern Zuflucht in Ägypten suchen“, schlägt Pastor Axel Scholz eine theologische Brücke von der Bibel in die Gegenwart. Was liege näher, als sich für Vielfalt einzusetzen? Hilke Sackmann-Söhle, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands von St. Severi, unterstreicht diese Überzeugung: „Wir müssen dokumentieren, wofür wir stehen.“
Auch Pastorin Franziska May bezieht mit Blick auf die damals angezeigten unbekannten Täter klar Stellung: „Man kann nicht Christ sein und dem Rassismus frönen – das schließt sich aus.“
Seit der gestrigen „Langen Nacht der Kultur“ sind die drei Kreuze wieder an der Kirche zu sehen. „Was beschädigt wurde, ist damit nicht einfach nur instandgesetzt. Es ist als sichtbares Bekenntnis zurückgekehrt: gegen Menschenfeindlichkeit und für eine Gemeinschaft, in der die Würde jedes Menschen gilt.“