Um den Fährbetrieb aufrechtzuerhalten, sucht der Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen und Umgebung Interessierte für den ehrenamtlichen Fährdienst Foto: Privat

BROBERGEN re ∙ „Fähre in Not“ – Wer denkt da zuerst nicht ans Untergehen oder an finanzielle Probleme? Aber darum geht es glücklicherweise nicht. „Menschen sind nicht in Not“, heißt es von Seiten des Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen und Umgebung. „Unser Problem: Uns gehen die Fährleute aus!“ Diese Entwicklung war in den letzten Jahren schon absehbar. „Im Jahre 2025 konnten wir einen neuen Fährmann begrüßen. Das ist deutlich zu wenig.“

Um den täglichen Fährbetrieb von 10 bis 18 Uhr in zwei Schichten zu je vier Stunden gewährleisten zu können, braucht man bei 30 Tagen im Monat 60 Schichtgänger. Der Fährleutekreis umfasse meist etwa 20 Fährleute. Dann hätte jeder durchschnittlich drei Fährdienstschichten im Monat. So die Theorie.

In der Praxis jedoch zeigt sich ein anderes Bild: Aus verschiedensten, meist beruflichen Gründen fah­ren ein paar Fährmänner und Fährfrauen überhaupt nicht mehr. Der Stamm der übrigen Fährleute wird immer älter. Drei Fährleute sind bereits über 80 Jahre alt. Derzeit sind nur rund zehn Fährleute voll einsatzbereit. Der Vorstand hat bereits vor zwei Jahren die Fährzeiten an besucherschwachen Tagen reduziert, sodass da nur eine Schicht zu besetzen ist.

Doch gerade die Zuverlässigkeit der Fährverbindung werde natürlich von den Fahrgästen geschätzt. Manche Leute nutzen die Fähre mit dem Auto regelmäßig. Aber auch die zunehmende Zahl von Touristen in der Oste-Region möchte nicht gern vor einem Schild stehen mit der Aufschrift „Heute kein Fährbetrieb“. „Deshalb haben wir zunächst für diese Saison von einer Reduzierung des Fahrplans abgesehen. Die allgemeine Anerkennung für den ehrenamtlichen Fährdienst ist überall sehr hoch. ‚Danke, dass Ihr das macht‘, hören unsere Fährleute zum Glück öfter – denn das motiviert, auch mal in Sturm und Regen auf der Fähre Fährgäste überzusetzen.“

Wenn es dem Fähr- und Geschichtsverein jedoch nicht gelingt, genügend neue Menschen zur Mitarbeit zu begeistern, wird das Projekt einer historischen Museumsfähre über den Fluss Oste an Vergreisung sterben – „obwohl es immer mehr Fans und Touristen gibt, die dies einzigartige Erleben einer Fährüberfahrt in der freien Natur so sehr schätzen und ganz besondere Erinnerungen davon mitnehmen“. Und das motiviere natürlich auch die Fährleute, diese große Anerkennung ihrer Tätigkeit neben all den guten Gesprächen beim Übersetzen. „Es ist fantastisch, wie offen solche Schnacks auf der Fähre ablaufen – in nicht einmal einer Minute Überfahrtszeit“, so Schriftführer Burkhard Ziemens. Wer Begegnungen mag und auch ein bisschen neugierig ist, eigne sich hervorragend als Fährmann oder Fährfrau.

Zielgruppe für den Fährmannsjob seien vor allem Menschen, die gerade in den Ruhestand wechseln, weil sie da über ihre Zeit verfügen können. „Aber auch flexible jüngere Leute sind bei uns nicht falsch, denn auch am Wochenende werden Fährleute benötigt. Und selbst, wenn jemand sich gar nicht zutraut, die Fähre zu fahren, gibt es im Fährverein genügend andere Aufgaben. Die Technik unserer alten Fähre zum Beispiel bedarf einiger Kenntnis und Fürsorge. Auch hier sind wir hocherfreut über interessierten Nachwuchs. Denn auch unsere versierten Techniker im Verein werden immer älter. Bisher ist es unseren Technikern immer gelungen, die Fähre bei technischen Störungen meist noch am gleichen Tag oder innerhalb zweier Tage wieder zum Laufen zu bringen. Monatelange Ausfälle wie auf der ‚Missunde III‘ auf der Schlei oder der Schwebefähre über den Kiel-Kanal Rendsburg gab es in Brobergen noch nie.“

Der Fährverein bemüht sich, die Fährverbindung in Brobergen zwischen dem 1. Mai und dem 3. Oktober täglich fünf bis acht Stunden nutzbar zu halten. Dazu werden ein bis zwei Fährleute täglich mit jeweils vier bis fünf Stunden ehrenamtlicher Dienstzeit benötigt.

Die Fährleute suchen sich auf dem Fährplan ihre Schichten selbst aus. Manche machen einmal in der Woche Dienst, andere konzentrieren mehrere Dienste auf wenige Tage. Manche mögen Dienst am lebhaften Wochenende, andere lieben ruhige Tage in der Woche.

Die Fährleute brauchen eine Fahrerlaubnis des Landkreises Cuxhaven. Diese bekommt man nach einer Ausbildung durch den Fährverein und bestandener Prüfung. In der Regel braucht man ein paar Wochen Zeit für die Ausbildung. Der Ausbildungsleiter Horst Schimkatis, 1. Fährmann, geht individuell auf die zeitlichen Bedürfnisse der Fährschüler ein und erteilt unter (04140) 81 54 alle Auskünfte zur Ausbildung zur Fährfrau oder zum Fährmann.