Die Soldaten bereiteten den Weg für die Überführung der P3C-Orion ins Aeronauticum Foto: Bundeswehr/Kelm
NORDHOLZ re ∙ Jetzt hieß es für die Marineflieger tschüss sagen. Der Seefernaufklärer P-3C „Orion“ ist seit Montag Teil der Dauerausstellung im Luftschiff- und Marinefliegermuseum Aeronauticum in Nordholz.
Bis vor kurzem war das tiefe vibrierende Brummen der Propeller-Triebwerke der P-3C „Orion“ noch zu hören. Mittlerweile ist der Seefernaufklärer nicht mehr im Dienst. Seit 2006 waren die acht Maschinen des Typs P-3C „Orion“ im Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz beheimatet. „Nach der offiziellen Außerdienststellung der P-3C ‚Orion‘ wird die Geschichte unseres Seefernaufklärers und U-Boot-Jägers der letzten fast zwanzig Jahre zukünftig im Aeronauticum vor den Toren des Marinefliegerstützpunktes erhalten bleiben“, so Kapitän zur See Oliver Ottmüller, Kommodore des Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“.
Die „Orion“ war bisher das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr und nahm an verschiedenen Einsätzen und Manövern teil. Die Besatzungen haben damit U-Boote gejagt, Schiffe aufgespürt und sich an Such- und Rettungsmissionen beteiligt. Vor allem bei den Einsätzen Operation „Enduring Freedom“ und der EU-geführten Anti-Piraterie-Mission „Atalanta“ hat sich das Flugzeug bewährt.
Von 2008 bis 2021 wurde regelmäßig vom Militärstützpunkt Base Aérienne in Dschibuti geflogen. Mit Hilfe des Radars konnte der Seefernaufklärer sämtliche Schiffe erfassen und ein aktuelles Lagebild an die Kriegsschiffe im Seegebiet weitergeben. Eine weitere wichtige Rolle war die Aufklärung der bekannten Piraten Camps an der Küste Somalias. Mit Hilfe des elektro-optischen Kamerasystems konnten gestochen scharfe Bilder aus weiter Entfernung gemacht werden. Daher hat der Seefernaufklärer „Orion“ auch den Beinamen „Fliegendes Auge“.
Insgesamt sind 28.500 Flugstunden in fast zwei Jahrzehnten erflogen worden und nun findet eine Maschine des Typs P-3C ihren Ehrenplatz im Aeronauticum. Dort sind bereits 18 andere originale Flugzeuge der Deutschen Marine ausgestellt. Für Kommodore Ottmüller steht fest, die Geschichte der Marineflieger wird im Museum weiterleben: „Mit Wehmut, aber auch mit viel Stolz und Freude über den neuen Standort haben wir Marineflieger die Überführung geplant und schließlich mit vielfältiger Unterstützung umgesetzt! Ich freue mich, dass viele Besucher des Aeronauticums zukünftig dieses Exponat bestaunen können.“
Im Marinefliegerstützpunkt steht unterdessen die Zeit nicht still. Der Nachfolger, der Seefernaufklärer P-8A „Poseidon“, ist bereits vor Ort. Während eine Ära ein Ende findet, beginnt bei den Marinefliegern ein neues Kapitel Marinegeschichte. Der „Poseidon“ steht als Nachfolger bereit und wird künftig in den Nordholzer Himmel starten – nur leiser und schneller.