„Warum löschen Sie keinen Kindesmissbrauch“, fragten die Jugendlichen bei der „Worldwide Developers Conference“ von Apple Foto: Wired Human
CUXHAVEN tw ∙ „Unsere Generation wird ausgenutzt und ausgebeutet von Unternehmen wie Apple. Und wir sind heute hier, um zu verlangen, dass Apple eine Zukunft ohne sexuellen Missbrauch schafft.“ Am 10. Juni demonstrierten Jugendliche der gemeinnützigen Organisation „Wired Human“ – die auch in Cuxhaven einen „Runden Tisch für Kindersicherheit im Netz“ plant – im kalifornischen Cupertino, vor dem Start der „Worldwide Developers Conference“ des Technologie-Unternehmens Apple, gegen deren Politik des Wegsehens. Jugendliche, die zum Teil schon in ihrer Kindheit übelsten sexuellen Missbrauch erlebt haben, und jetzt damit leben müssen, dass Fotos und Videos davon immer noch im Netz zu finden sind und in geschützten Räumen zur „puren Unterhaltung“ angesehen werden.
Datenschutz vor Kinderschutz?
Das Problem sei, dass Apple den Datenschutz über alles stelle. „Sie werben damit, dass sie besonders geschützte Räume haben“, sagt Jason Frost, Gemeinwesenarbeiter beim Begegnungszentrum „Tante Emma“ (EWK berichtete), und Mitgründer der Organisation „Wired Human“, der inzwischen auch gefragter Interviewpartner, etwa der New York Times oder CNN ist.
„Wir brauchen das Internet und wir müssen mit ihm leben“, betont Frost. Aber es brauche, wie in der realen Welt, klare Regeln. Dabei müsse immer die Überlegung im Vordergrund stehen, was es heißt Mensch zu sein. „Ist man in der digitalen Welt ein Mensch? Nein“, findet er. Sähen die Internetunternehmen im Nutzer vor dem Bildschirm doch nur die Möglichkeit Geld mit ihm zu verdienen.
Besonders schlimm werde es, wenn es um Kinder und Jugendliche gehe. Vor allem wenn – oben genannte – Fotos und Videos in diesen geschützten Räumen hochgeladen werden. Dass dies immer noch passiert, ist für Jason Frost „unfassbar“. Er kann nicht verstehen, warum Kinder und Jugendliche, denen so etwas Schreckliches zustößt, mit dem Wissen leben müssen, dass ihre Qualen jeden Tag immer wieder angeschaut werden und sie dadurch immer wieder auf neueste traumatisiert werden.
Was die jungen Demonstranten wollen, ist dabei eigentlich erst einmal nur eine Minimalforderung: Dass das, was schon bei der Polizei angezeigt wurde, mit einem digitalen Fingerabdruck versehen wird, und beim Scannen, wie bei einem Virenscanner, gelöscht und nicht mehr hochgeladen werden kann.
Ein System, dass auch schon im Einsatz ist, und auch von einigen Technologiefirmen genutzt werde. Aber eben nicht von allen. Vor allem Apple steche hervor. Es sei nicht bereit diesen Filter anzuwenden, weil ihnen der Datenschutz über alles gehe, so Jason Frost.
Deshalb kann er auch nicht verstehen, dass auf EU-Ebene beim „Gesetz zum Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt“ kein Konsens gefunden wurde, und Deutschland dagegen gestimmt hat. Auch er ist für Datenschutz. „Doch wir müssen immer beide Seiten sehen.“ Denn ein Datenschutz, der es erlaube „sichere“ Räume zu schaffen, in denen Kindesmissbrauch stattfindet, stelle sich gegen Kinderrechte. Und die gehen für ihn vor Datenschutz.
Er stellt die Frage in den Raum, was passieren würde, wenn es in der eigenen Straße einen nichtöffentlichen Raum gebe, wo Leute ganz ungestört Missbrauchs-Videos und -Fotos konsumieren würden? „Das würden wir doch auch nicht einfach hinnehmen, sondern dagegen vorgehen, auch wenn es ein privater Raum ist“, so Frost und er weist darauf hin, dass „wenn wir unsere Kinder schützen, wir uns auch selbst schützen“. Denn es sei ein Thema, dass auch Erwachsene betreffe. Vor allem in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Deep Fake Videos.
Plattform für Forderungen der Jugendlichen
„Die Jugendlichen wissen was ihnen passiert ist, sie sagen die Wahrheit“, sagt er. Für Frost mit ein Grund dafür, dass viele nicht mit den jungen Menschen sprechen wollen, „denn sie wissen, dass sie keine Argumente dagegen haben“. Deswegen ist es ihm wichtig, ihnen mit „Wired Human“ eine Plattform für ihre Forderungen zu geben.
Und deshalb will Jason Frost auch hier in Cuxhaven den „Runden Tisch für Kinder-Online-Sicherheit“ in Zusammenarbeit mit „Wired Human“ und „Tante Emma“ aufbauen. Jugendliche, die etwas zu dem Thema zu erzählen haben und gerne am Runden Tische teilnehmen wollen, können sich per E-Mail an frost@cscux.de bei Jason Frost melden.