Ingenieur Andreas Schöne von der NLStBV erläuterte die Wirkung der Geotextil-Matten Foto: sh
HECHTHAUSEN sh ∙ Für die Autofahrer momentan ein Ärgernis, in der Zukunft aber ein weiterer Schritt für eine verbesserte Infrastruktur im Cuxland. So präsentiert sich gerade der Brückenbau an der B 73 zwischen der Ostebrücke und Hechthausen. Eine halbseitige Sperrung mit Ampelanlage sorgt dafür, dass wartende Autofahrer einen Blick auf modernste Bautechnik werfen können. Hier wird nämlich mittels – Achtung neudeutsch – „geotextilummantelter Sandsäulen“ eine Statik für die Brückenzufahrt verwendet, die ein Absacken der zukünftigen Auf- und Abfahrt verhindern soll. Und wird.
Ein bewährtes Verfahren
Erfahrung mit dieser Technik haben die deutschen Brückenbauer seit rund 30 Jahren. Und das seien gute, sagt Ingenieur Andreas Schöne von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, kurz NLStBV. Er erläuterte bei einer Baubegehung die Technik. Geokunststoffummantelte Säulen werden in einem gleichmäßigen Raster unter dem zu gründenden Erdbauwerk angeordnet. In Hechthausen sind dies fast 7.000 dieser Säulen. Die Belastung durch das Bauwerk erzeugt in der Säule eine nach außen gerichtete Horizontalspannung. Dieser wirken der Bodenwiderstand und bei weiterer Stauchung und Ausbauchung der Säule im dehnsteifen Geokunststoff entstehende Ringzugkräfte entgegen. Während der Erstellung und Nutzung des Erdbauwerks fungieren die geokunststoffummantelten Säulen auch als Drainage. Der Konsolidationsprozess, sprich die Entwässerung, kann so bereits in der Bauphase beschleunigt werden. Bei einem sandigen und torfigen Boden unabdingbare Voraussetzung für die Standfestigkeit des Bauwerks.
Das Einbringen in den Boden dieser fast 7.000 Säulen erfolgt dabei in Hechthausen „Anwohnerfreundlich“. Statt Ramme wird jede Säule in einem speziellen Verfahren in den Boden gerüttelt. Dieses Verfahren ist wesentlich leiser und schont Ohren und Nerven der Anwohner. Noch werden die Säulen in einer Art Funktionstest gesetzt. Ab März wird dann die komplette Baugrundverbesserung sowie mittels Spundwand der Hochwasserschutz erstellt.
Der Brückenneubau war dringend notwendig
Die momentane Ostebrücke stammt aus dem Jahr 1935. Seit 2010 ist der Neubau in Planung Die bisherige Brücke bedarf seit 2017 statischer Nachrechnung, die 2019 zur Durchführung einer Verstärkungsmaßnahme führten. 2021 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss für die neue Brücke. 2023 kam es zur gesetzlich vorgeschrieben Ausschreibung und der Vergabe der Aufträge zu Erdbau und Baugrundverbesserung
Nach der Fertigstellung der neuen Brücke erfolgt der Rückbau der alten Brücke und von Teilen des Straßendamms
Alles hat ein Ende, auch der Brückenbau
Der Zeitplan sieht folgenden Bauablauf vor. Diesen Monat werden die vorbereitenden Baumaßnahmen abgeschlossen. Bis Mai 2025 erfolgen die Baugrundverbesserung und die Dammschüttung. Ab März wird parallel die Herstellung der Hochwasserschutzspundwand erfolgen. Ab Herbst 2025 bis in den Winter 2027 erfolgt der eigentliche Bau des neuen Brückenbauwerks. Abschließende Arbeiten wie Straßenbau und Ausstattung sind für den Sommer 2028 geplant. Danach erfolgt die Verkehrsfreigabe der neuen Brücke.